EINSWARDEN - EINSWARDEN/JM - Kadri Günel gilt nicht nur in seiner Klasse als hilfsbereiter Mitschüler. Der 17-jährige Türke kurdischer Abstammung besucht die 9H1 der Einswarder Luisenhofschule. Aber damit könnte es vielleicht bald vorbei sein. Kadri Günel ist von der Abschiebung bedroht.

Seine Klassenkameraden befürchten, dass Kadri in der Türkei mit Repressalien rechnen muss. Dehalb haben sie die Initiative ergriffen. Bei einer Sitzung der SPD-Kreistagsfraktion am Montag in der Luisenhofschule nutzten sie die Gelegenheit und übergaben eine Unterschriftenliste an den allgemeinen Vertreter des Landrats, Hans Kemmeries. Alle Klassenkameraden haben unterzeichnet. Sie wollen, dass Kadri in Deutschland bleiben kann. Auch Eltern der Mitschüler setzen sich für den Jungen ein.

Schulleiter Wilfried Batschat beschreibt Kadri als einen sehr höflichen Jungen. Klassenlehrerin Inga Lein weist darauf hin, dass der 17-Jährige nie in Streitigkeiten verwickelt war. Er habe sprachliche Probleme, aber er gebe sich große Mühe in der Schule.

Nach Informationen der Klassenlehrerin und des Schulleiters ist Kadri vor vier Jahren nach Deutschland gekommen. Er und seine Familie sollen in der Türkei verfolgt worden sein. Kadri lebe jetzt bei seinem älteren Bruder, der die Vormundschaft und auch einen deutschen Pass habe. Schlimm finden die Mitschüler, dass der 17-Jährige im Falle seiner Abschiebung niemanden mehr in der Türkei habe. Die Eltern sollen verschollen sein.

Zu den Gründen einer möglichen Abschiebung war gestern aus dem Kreishaus nichts zu erfahren. Die Pressestelle teilte aber mit, dass die Unterschriftenliste inzwischen auf dem Schreibtisch von Landrat Michael Höbrink liegt. Er wolle sich zunächst ein genaues Bild vom Sachverhalt machen, bevor er sich dazu äußert.