EINSWARDEN - Man muss kein Landwirt sein, um ihn schön zu finden. Wie aus dem Ei gepellt steht der Porsche Diesel Junior im matten Licht des Forums der Schule Am Luisenhof und glänzt, als hätte er gerade die Fabrik verlassen. Seine Formen verzaubern, seine Farben sind ideal aufeinander abgestimmt. Und dass sogar den Beifahrersitz auf dem linken Schutzblech ein rot-gelbes Kissen bedeckt, beweist die Liebe zum Detail.
Dreckig, ölig und verbeult
Mehr als 20 Haupt- und Realschüler der Schule haben diesen einst dreckigen, öligen und verbeulten Scheunenfund in ein Schmuckstück verwandelt, von dem Sammler träumen. Am Freitag feierten sie gemeinsam mit den Sponsoren den Abschluss des Porsche-Junior-Projekts.
Zu verdanken haben sie dieses Projekt vor allem Norbert Geyer und Harald Stegen. Geyer betreibt in Berlin und Dessau metallverarbeitende Fabriken und ist von der sozialen Verantwortung des Unternehmers überzeugt. Unter anderem unterstützt er die Berliner Rütli-Schule.
Bei einem Butjadingen-Urlaub lernte er Wolfgang Battenberg, den Leiter der Realschule Am Luisenhof, kennen und schätzen. Battenberg gewann ihn als Hauptsponsor für das Porsche-Projekt. Geyer machte Geld locker, und die Schule konnte aus der Scheune eines Bauern in Siedenburg bei Sulingen einen verwahrlosten Porsche Diesel Junior F 109 a mit 15 PS kaufen. Auch für die Ersatzteile stand Geyer finanziell gerade.
Doch ein Porsche ist ein Porsche, auch wenn er ungefedert über einen Acker knattert. Damit Porsche-Fans ihn nach der Restaurierung durch Schüler auch als Porsche akzeptieren – und entsprechend für ihn bezahlen –, gibt es den Porsche-Diesel-Club Europa, dessen Präsident der Bremer Architekt Harald Stegen ist. Gleichzeitig ist er Initiator und Vorsitzender des vor fünf Jahren gegründeten gemeinnützigen Vereins Porsche-Junior-Projekt.
97 Schulen in Deutschland, 2 in Österreich und 1 in Südtirol beteiligen sich an dem Projekt, dessen Schirmherr Dr. Wolfgang Porsche ist. Stegen verweist darauf, dass es einen wesentlichen Unterschied gibt zwischen einem Porsche-Trecker und anderen historischen Landmaschinen wie etwa dem legendären Lanz Bulldog: Hinter Porsche steht noch eine lebendige Firma mit höchstem Prestige.
An Schüler, die einen Porsche wiederherstellen, werden also auch höchste Erwartungen gerichtet. Dabei sei es keineswegs leichter, einen Trecker zu restaurieren als ein Auto, betont Stegen.
Netz für Ersatzteile
Rund um diesen Oldtimer haben Stegen und seine Mitstreiter zunächst ein Ersatzteilenetz organisiert. Jedes Teil kann beschafft werden.
Und so restaurierten die Schüler in zwei Durchgängen die 1961 gebaute Schönheit vom Lande. Sie zerlegten den Trecker, reinigten ihn, spritzten ihn, planten die Arbeitsabläufe, erfuhren vieles aus der Werkzeugkunde und dokumentierten die Abläufe schriftlich sowie auf Fotos und in Videos. Große Hilfe bekamen sie von ihrem Werken- und Technik-Lehrer Cord Wärner, der gelernter Kfz-Mechaniker und auch noch Hobby-Biobauer ist. Einen großen Beitrag leistete auch Guido Micheel, Fachpraxislehrer Elektrotechnik bei den Berufsbildenden Schulen. Er half bei der Elektrik, die immer eine große Herausforderung ist – unter anderem, weil Warnblinkleuchten nachgerüstet werden mussten.
Harald Stegen überreichte den älteren Schülern als Anerkennung die begehrten Zertifikate des Porsche-Diesel-Clubs, die sie ihren Bewerbungen beilegen können. Zehn Schüler aus dem ersten Durchgang haben auch dank dieses Ritterschlags einen Ausbildungsplatz gefunden.
Noch bis Weihnachten will Harald Stegen dem Luisenhof einen neuen Scheunenfund besorgen. Für den Kaufpreis und die Ersatzteile dürfte genug Geld vorhanden sein, denn er will den restaurierten Porsche keinesfalls für weniger als 10 000 Euro verkaufen. Das ist günstig, denn hätten Handwerker den Trecker restauriert, hätte das mindestens 25 000 Euro gekostet.
Trend zum Zweit-Porsche
Interessenten gibt es genug, vor allem unter Porsche-Sportwagenfahrern, sagt Harald Stegen: „Der Trend geht zum Zweit-Porsche.“
