EINSWARDEN - Wenn von sexueller Gewalt die Rede ist, denkt fast jeder sofort an die entsetzlichen Gräueltaten, die die Medien vermelden. Weitaus häufiger jedoch sind die vielen ungezählten Fälle versteckten und verschwiegenen sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen. Das Präventionsprogramm der Arbeiterwohlfahrt (AWo) gegen sexuelle Gewalt an Jungen und Mädchen nimmt sich des Tabu-Themas an.
Seit mittlerweile zehn Jahren findet in den achten Klassen des Schulzentrums Am Luisenhof das Präventionskonzept gegen sexuellen Missbrauch statt. Diesmal waren es jeweils zwei Haupt- und Realschulklassen mit zusammen 110 Schülern, die das Thema während dreier Schulstunden behandelten. Dass sexuelle Gewalt überall lauern kann, betonte die Diplom-Psychologin Vera Mattschenz von der AWo-Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern. Denn diese Form der Gewalt äußere sich auch in Form von Worten und Blicken. „Wir möchten Kinder und Jugendliche sensibilisieren“, merkte die Psychologin an. Die Schüler sollten nach dem Projekt gefährliche Situationen erkennen können und wissen, wie man sich schützt und frühzeitig Hilfe finden kann.
Nach Auskunft der Schul-Sozialpädagogin Silvia Bork nehmen Mädchen und Jungen gemeinsam an dem der Präventionsunterricht teil. Das sei wichtig. Bei den Schülern – vor allem den Jungen – könne so ein Bewusstsein für Grenzen geschaffen werden. Die Frage, wie nahe man einen Fremden an sich heranlassen möchte, zeige sich bei Rollenspielen. Wie die Betroffenen reagieren sollten, werde in kleinen Arbeitsgruppen noch einmal besprochen.
Die neuen Medien bergen ebenfalls sehr viel Gefahrenpotential. Ob im Chat oder bei Nachrichten per SMS, die Kinder und Jugendlichen sollten nach Auskunft von Vera Mattschenz vor Übergriffen gefeit sein. Oft genug würden sie viel zu naiv reagieren und die Gefahren gar nicht erkennen, die sich hinter einer flüchtigen Internet-Bekanntschaft verbergen können. „Wir geben ihnen Verhaltensregeln mit auf den Weg“, so die AWo-Mitarbeiterin, die seit zwei Jahren eng mit der Schule zusammenarbeitet.
„In jeder Gruppe findet sich ein Opfer“, sagt Vera Mattschenz. Den Betroffenen beizustehen und ihnen einen Weg aus der Misere aufzuzeigen, ihnen Schuld- und Schamgefühle zu nehmen, sei ein weiterer Schwerpunkt der Präventionsarbeit.
die Täter sind zumeist männlich
Sexuelle Gewalt
findet vor allem in der Familie und im Bekanntenkreis statt, aber auch im außerfamiliären Umfeld wie in der Schule oder im Freizeitbereich.Betroffen
von sexueller Gewalt sind Kinder aller sozialer Schichten und aller Altersgruppen, auch Kleinkinder und Säuglinge. Die Gewalt üben meist Menschen aus, die dem Kind gut vertraut sind und sich häufig das Vertrauen des Kindes durch Geschenke, Aufmerksamkeit, Zuneigung und ähnliches erschleichen.In der Regel
erfolgen sexuelle Übergriffe durch einen vertrauten Menschen über mehrere Monate oder Jahre hinweg.Die Täter sind zumeist Männer.
