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SOZIALES Porsche-Junior bringt Jugend in Gang

ULRICH SCHLÜTER

EINSWARDEN - Die rote Farbe lässt eher auf das Modell einer italienischen Sportwagenschmiede schließen. Formschön und elegant schaut das Gefährt auch aus. Doch unter der ramponierten Haube des robusten Traktors tuckert ein zuverlässiger Motor aus Zuffenhausen: Einst zierte der Name Porsche-Junior das schnittige Blechkleid, das jetzt etwas mitgenommen ist.

Namhafter Designer

Der Traktor aus der Porsche-Manufaktur ist angekommen in Einswarden und wartet nun darauf, von Jugendlichen der Schule Am Luisenhof restauriert zu werden. „Der Motor läuft tadellos“, schwärmt Harald Stegen, der den Veteran, Baujahr 1962, nach Einswarden verfrachtet hat. Die Maschine springt auf den Schlag an, ohne vorzuglühen. „Er qualmt nicht“, stellt der Präsident des Porsche-Diesel-Clubs Europa zufrieden fest. Der Diesel schnurrt in einem gleichmäßigen Takt. Die Haube – wie die komplette Landmaschine von Professor Ferdinand Porsche konstruiert – vibriert merklich.

Mehr als 120 000 Porsche-Diesel wurden zwischen 1956 und 1963 für die Landwirtschaft gebaut. Unter Kennern genießen die solide gefertigten Traktoren bis heute einen legendären Ruf. Angetrieben von einem luftgekühlten Motor aus Aluminiumguss, waren die Porsche-Traktoren auch ein Exportschlager.

Bei dem Modell für Einswarden handelt es sich um einen Scheunenfund aus Syke. Der Einzylinder-Diesel, Typ 109, leistet 15 PS. Diesen Porsche-Junior sollen nun die Haupt- und Realschüler wieder auf Vordermann bringen. Lehrer Cord Wärner, der seit Mai an der Schule unterrichtet, leitet die AG, die erstmals am Montag zusammenkommt. Dann sollen zwölf Schüler für das Projekt – eineinhalb Schulstunden pro Woche sind veranschlagt – ausgewählt werden. Bewerbungen gebe es reichlich, sagt Cord Wärner. Der ausgebildete Techniklehrer ist prädestiniert für die Restaurierung des Schleppers: Der ehemalige Bundeswehr-Angehörige ist gelernter Kfz-Mechaniker und Landwirt. Das sind Voraussetzungen, die beim Projekt Werken und Technik wohl zum Tragen kommen.

Aus heiterem Himmel

Der Trecker kam „wie aus heiterem Himmel“, sagt Wilfried Batschat zu dem Porsche-Mobil (siehe Kasten). Mit der Restaurierung verbunden ist eine soziale Komponente: „Wir müssen die Leute auf den Weg bringen“, merkt Harald Stegen an. Ein Hauptschüler müsse einen Gesellenbrief erreichen, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können. „Wir müssen ihnen Hilfestellung geben“, betont der 64-jährige Architekt. Die praktische Arbeit sei dabei enorm hilfreich und wichtig. Die Schüler lernten die einfache Mechanik kennen und würden sie schneller erfassen. Nach den Worten von Hauptschulleiter Wilfried Batschat passt diese Philosophie haargenau ins Konzept des Luisenhof, nämlich die Mädchen und Jungen fit zu machen für den Arbeitsalltag.

Für das Projekt ist mehr als ein Jahr veranschlagt. „Lieber langsam, dafür vernünftig“, sagt Harald Stegen, der rund 60 derartige Projekte in Deutschland betreut.

60 Schulen

Den Traktor

hat der Fabrikant Norbert Geyer aus Butjadingen gesponsert. Der Freund des Schulleiters Wolfgang Battenberg kaufte den Porsche-Junior vor 14 Tagen für die Luisenhof-Schule. Nach der Restaurierung wird der Schlepper verkauft. Liebhaber dürften 10 000 bis 15 000 Euro zahlen, die der Schule zugute kommen sollen.

Das Porsche-Projekt

hat Harald Stegen 2007 ins Leben gerufen. Es gibt Werkstattbücher, ein Ersatzteil-Netzwerk und vieles mehr, um den Trecker originalgetreu zu restaurieren. Die Firma Porsche fördert das Projekt, das an 60 Schulen und anderen sozialen Einrichtungen stattfindet.

www.porsche-diesel-classic.de

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