ELSFLETH - ELSFLETH - „Als Absolventen des Fachbereichs Seefahrt sind Ihre beruflichen Chancen hervorragend, Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten werden dringend gesucht, und insofern dürften Sie sicherlich keine Probleme am Arbeitsmarkt bekommen.” Die Laudatio der Vizepräsidentin der Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven, Christiane Claus, richtete sich an die Diplomanden und Diplomandinnen der Studiengänge Nautik, Internationales Transportmanagement sowie Seeverkehrs- und Hafenwirtschaft, die gestern Morgen in der Aula ihre Patente und Diplome erhielten. Die musikalische Begleitung übernahm der Visurgen-Shanty-Chor. Mit Charme und Witz zog Absolventin Lala Marie Rassi im Namen ihrer Kommilitonen eine amüsante Bilanz der Studienzeit in Elsfleth.
Neben lobenden Worten nutzten die Festredner in ihren Grußworten die Gelegenheit, ihre Besorgnis über den möglichen Abzug von drei Elsflether Professorenstellen zugunsten des schwächelnden Instituts Leer zum Ausdruck zu bringen. Bürgermeister Diedrich Möhring warnte vor einem kontraproduktiven Handeln. Dem niedersächsischen Wissenschaftsminister Lutz Stratmann, der vor rund einem Jahr den Fachbereich als „wissenschaftlichen Leuchtturm in der maritimen Ausbildung“ gelobt hatte, riet Möhring: „Drehen sie eine zusätzliche Glühbirne in diesen Leuchtturm!“
Einschnitte befürchtet auch der Vorsitzende des Vereins der Freunde der Seefahrtschule, Erhard Bülow: „Man darf nicht zur Heilung eines Kranken die Erkrankung eines Gesunden hinnehmen.“ Alle Dekane der Fachhochschule seien der Meinung, dass der Abzug von Professorenstellen zur Rettung des Instituts in Leer die Fachbereiche in einem Ausmaß berühre und träfe, dass die Qualität der Lehre nicht aufrecht zu erhalten sei, sagte Dekan Professor Dr. Klaus Windeck. In einem gemeinsam eingebrachten Antrag fordere man die ostfriesische Wirtschaft, die sich in der Schließungsdebatte aktiv zu Wort gemeldet hatte, auf, ihre finanziellen Zusagen rechtsverbindlich zu realisieren, so Windeck. Auch müsse der Bedarf in Leer auf möglichst viele Fachbereiche verteilt werden.
Aber der Dekan hatte auch Positives zu berichten. Im dritten Gutachten innerhalb von eineinhalb Jahren kann der Fachbereich auf eine hervorragende Evaluation bauen. Die Anmeldungen zum Sommersemester schlagen, obwohl noch nicht abgeschlossen, schon alle Rekorde. Im Bereich Nautik liegen 65 Anmeldungen vor, Seeverkehrs- und Hafenwirtschaft 34 und Internationales Transportmanagement 47. Windeck: „Das heißt im Klartext dass wir bei jeweils zehn Studienplätzen in SHW und ITM eine große Anzahl motivierter Anwärter abweisen müssen.“
