ELSFLETH - „Eine weiße Hauswand ist nichts für Farbschmierereien. Eine solche Gaffiti-Sprüherei ist Sachbeschädigung. Damit ist nicht zu spaßen.“ Jürgen Zimmer, Präventionsbeauftragter des Braker Polizeikommissariats, sitzt mit der 7. Hauptschulklasse des Elsflether Schulzentrums im Heye-Saal und wundert sich, dass die Schülerinnen und Schüler das Thema Graffiti als „gewaltfrei“ einordnen.
Auf dem Fußboden hat Zimmer eine Gewaltskala in Zehnerschritten von 0 auf 100 ausgebreitet. Das Arbeitsblatt „Im Kaufhaus eine CD stehlen“ liegt bei 10, „Jemand fasst einem Mädchen an den Busen“ bei 40, „Jugendliche fangen eine Prügelei an“ bei 100. Im Laufe des Gesprächs wandern die beiden zuerst genannte Taten in wesentlich höhere Bereiche der Gewaltskala.
„Das Opfer entscheidet, ob es sich bei körperlichen Auseinandersetzungen um Gewalt oder nur um Spaß handelt“, sagt Fadime Demir, Sozialarbeiterin an der Haupt- und Realschule Elsfleth, die den zweitägigen „Workshop“ gemeinsam mit Zimmer leitet – und Klassenlehrerin Britta Himmerlich begrüßt die Spezialausbildung. „In meiner Klasse gibt es zwar nur selten und nur wenig körperliche Gewalt, aber ich denke, dass die beiden ganztägigen Veranstaltungen eine Menge positiver Impulse setzen werden.“
Opferrolle erkennen
Gewalt einordnen, über die Opferrolle nachdenken, richtiges Verhalten einstudieren und nicht etwa mit Gewalt reagieren: Das sind nur einige Bausteine des Programms „Wir sind stark“. Vertrauensübungen, das Thema Zivilcourage und wie man zur eingenen Meinung stehen kann, werden ebenfalls geschult. „Gerade die Vertrauensübungen wirken sich oft sehr positiv auf die gesamte Gruppe aus“, sagt Zimmer.
Der Polizeibeamte kommt auch auf die blutige Schlägerei am Schulzentrum in Elsfleth zu sprechen. Dort war Ende August ein 15-jähriger Schüler vor den Augen mehrerer Zuschauer mit einem Schlagstock schwer verletzt worden – dieNWZ
berichtete.Helfer informieren
„Solch blutige Schlägereien lassen sich schon im Vorfeld verhindern. Es hat konkrete Fälle gegeben, in denen die Schlägereien in den sozialen Netzwerken vorab kommuniziert worden sind. In diesen Fällen ist es enorm wichtig, dass Lehrer, Vertrauenspersonen oder die Polizei rechtzeitig auf diese Ereignisse hingewiesen werden, damit Abhilfe geschaffen werden kann“, sagt Zimmer.
