ELSFLETH/COMALAPA - Seit Anfang des Monats ist die Elsfletherin Rieke Buse in Guatemala. Sie berichtet für die NWZ über ihre ersten Eindrücke.
Von Rieke Buse
ELSFLETH/COMALAPA - Nach fast einem Tag Reisezeit erreichten wir unser Ziel: Den Aurora-Flughafen in Guatemala Ciudad. In Empfang genommen wurden wir von Danilo, der für CODIMM (Cooridinadora de Desarrollo Integral de Mujeres Mayas) arbeitet, und Eliasej, den Bruder der Schulleiterin Magda. Von ihnen wurden wir zur Clinica gefahren, die jetzt für neun Monate unser Zuhause sein wird. An das, was man in Deutschland unter einer Klinik versteht, darf man aber in diesem Fall überhaupt nicht denken. Es ist eher wie eine kleine Arztpraxis, die längst nicht perfekt, aber ausreichend ausgerüstet ist. Alles ist recht schlicht, aber die Ärzte, Jörg und Irene, haben im letzten Jahr sehr viel getan, um hier alles angenehmwohnlich zu machen. Sauberes und warmes Wasser gibt es allerdings nicht immer.
Durch die lange Zeit des Bürgerkriegs und durch ein Erdbeben 1976 wurde vieles in dieser Region zerstört und die Menschen standen vor dem Nichts. Zu erkennen sind diese Spuren heute immer noch sehr stark.
Eigentlich ist Comalapa eine ziemlich hässliche Stadt. Es gibt viele Straßen, die nicht befestigt sind, Kabel hängen überall an Hauswänden oder kleinen Holzpfählen einfach so herunter. Nur die Kirchen sind hübsch. Dreimal in der Woche ist Markt im Zentrum Comalapas, wo es alles an Obst und Gemüse gibt, was man sich vorstellen kann. Die Papayas sind fast 30 Zentimeter lang. Und es schmeckt alles fantastisch gut! Erste Kontakte haben wir auch schon geknüpft. Zwar wird man in der Stadt ab und zu als „Gringa“ (Amerikanerin) bezeichnet, doch wir hoffen, dass die Leute bald wissen, warum wir hier sind. Voluntarias sind nämlich eigentlich sehr hoch angesehen.
Die Schule unterscheidet sich stark von der, die wir in Deutschland kennen. Es gibt die Klassen 1 bis 6 und die Vorschule. Jede Lehrerin hat eine eigene Klasse, die sie unterrichtet. Einen festen Lehrplan gibt es nicht. Englisch kann hier keine der Lehrerinnen, deshalb sind Svenja, die mit mir im Projekt arbeitet, und ich ja gekommen.
Beginnen werden wir unseren Unterricht in der nächsten oder übernächsten Woche. Vielleicht können wir ja ein wenig Struktur in alles hineinbringen, es herrscht nämlich das totale Chaos. Die Schüler sind wild, können sich kaum mehr als eine halbe Stunde konzentrieren.Das reich gegliederte Land fällt im Westen zu dem etwa 60 km breiten Schwemmlandstreifen an der Pazifikküste ab, geht im Norden in das Hügel- und Sumpfland des Petén und im Osten in das Tiefland am Atlantik über. Entlang der geologischen Bruchlinie des Motaguatales liegt eine Zone mit hoher Erdbebengefahr.
