Elsfleth - Es war ein bemerkenswert kleiner Kreis an Absolventen, der am Freitag gut gelaunt zur Graduiertenfeier im Lehrgebäude auf dem Campus der Jade Hochschule/Fachbereich Seefahrt und Logistik erschien. Für dieses ungewohnte Bild hatte Dekan Prof. Dr. Ralf Wandelt jedoch schlüssige Erklärungen: „Unsere festgelegten Prüfungszeiträume sind mit den Planungen der Unternehmen oft nicht konform, es ist aber auch ein Trend zur Individualisierung zu beobachten, leider!“
Waren es in den vergangenen Jahren oft bis zu 50 Absolventen, die ihre Urkunden und Zeugnisse vor Ort erhielten, kamen am Freitag von insgesamt 29 Absolventen aus fünf Studiengänge nur zwei junge Frauen und sechs Männer.
Dennoch, so fuhr Wandelt fort, sei die feierliche Verabschiedung der Absolventen einer der wichtigsten Termine zum Studienabschluss und immer ein Grund zum Feiern. So wurde am Ablauf der Graduiertenfeier nicht gerüttelt: kernige Songs des Visurgen-Shanty-Chores, Grußworte der Ehrengäste, Statement eines Absolventen, Zeugnisvergabe und wie immer zum Schluss – dreimal lang aus dem Typhon.
Bürgermeisterin Brigitte Fuchs und Landrat Thomas Brückmann attestierten den jungen Akademikern, sich eine Grundlage für ein erfolgreiches Berufsleben geschaffen zu haben. Brückmann: „Lernen ist wie Rudern gegen den Strom, hört man auf zu rudern, treibt man zurück.“ Die Vorsitzende des Vereins Freunde der Seefahrtschule, Dr. Christine Keitsch, konnte sich gut in die seelische Verfassung unter stressigem Prüfungsdruck bei den Studierenden versetzen. Sogar in der Kunst hätten diese Ängste Eingang gefunden, so Keitsch. Beispielsweise hängt im Haus Elsfleth des Schifffahrtsmuseums ein Bild aus dem 19. Jahrhundert mit dem Titel „Alptraum eines angehenden Nautikers vor dem Examen“.
Über seine Studienerfahrungen im kleinen, aber feinen Studienort Elsfleth hatte sich Nautikabsolvent Philipp Schreiber seine Gedanken gemacht. Die Aussicht in „Elendsfleth“ ein Studium zu starten, hätte sich nicht bewahrheitet, schmunzelte er. Bereits als Erstsemesters habe er sich unter den Kommilitonen voll integriert gefühlt.
Erstmals stellt der Fachbereich Seefahrt und Logistik der Jade Hochschule den Preisträger des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. Für hervorragende Leistungen ausländischer Studierender an deutschen Hochschulen ging der DAAD-Preis 2018 an den spanischen Nautiker Alejandro Sune Carbonell aus Barcelona.
Zur aktuellen Lehrsituation am Fachbereich ergriff noch einmal der Dekan das Wort. Demografie und Digitalisierung zwängen die Hochschule zum Umdenken und Veränderungen in der Lehre. „Um Zukunftsperspektiven zu entwickeln, muss unser Einzugsgebiet vergrößert werden, dass heißt auch, dass wir neue Studienangebote brauchen. Im Bereich Lehren und Lernen werden wir viel flexibler sein müssen und neue Zielgruppen ansprechen. Dennoch ist unser Fachbereich auf alle Herausforderungen bestens vorbereitet.“
