Elsfleth - Der Deutsche Schulschiff-Verein (DSV) mit Sitz in Bremen ist im Jahr 1900 gegründet worden. Initiator war Großherzog Friedrich August von Oldenburg. Heimathafen der Segelschiffe war dann auch Oldenburg, Ausrüstungs- und Liegehafen war Elsfleth.
17 Kadetten an Bord
Eines dieser Segelschulschiffe war die „Prinzess Eitel Friedrich“. Zur Besatzung zählten neben dem Kapitän und dem ersten Offizier sechs weitere Offiziere, ein Arzt, ein Zahlmeister, zehn Unteroffiziere und Köche, fünf Aufwärter (Stewards), sieben Matrosen, 17 Kadetten (Offiziers-Anwärter), 31 Leichtmatrosen, 27 alte befahrene und 93 unbefahrene Schiffsjungen. Ausbildungsfahrten führten etwa in die Nord- und Ostsee sowie in die Karibik.
Die seemännische Ausbildung an Bord war anspruchsvoll und hart. Zu den Manövern auf See zählten das Segelsetzen, das Reffen und das Bergen der Segel – und das bei Tag und bei Nacht. Das Auf- und Niederenten bis in eine Höhe von 45 Meter und das Auslegen auf den Rahen, das Segel festmachen mit zwei bis vier Schiffsjungen waren dabei ganz besondere und dazu noch gefährliche Aufgaben.
Zur Ausbildung zählten auch das Steuern des Schiffes nach Kompass und nach dem Wind unter Beachtung der Segelführung und nach Landmarken, Manöver zum Festmachen im Hafen, das Ankern auf Reede, das Unter-Segel-gehen sowie das Führen und die seemännische Handhabung von kleinen Booten mit Rudern und Segeln. „Wer ein Boot führen kann, der kann auch ein Schiff steuern“, lautete die Devise.
Der seemännische Dienst umfasste unter anderem das Loten, Segel nähen, Bootsdienst, Signalisieren mit Flaggen, Malen, Roststechen, Deckwaschen, Drahtspleiß, Reinschiff machen, Wache stehen auf See und auf Reede sowie im Hafen.
Zur allgemeinen Ausbildung für Schiffsjungen zählte auch weiterführender Unterricht an Bord: Deutsch, Rechnen, Englisch, Geografie, Geschichte, Schwimmausbildung für Kadetten (Offiziers-Anwärter) sowie Spezialthemen, die Kadetten benötigten, um als nautische Offiziere ausgebildet zu werden.
Kaum Platz für Eigentum
Das Eigentum an Bord eines Segelschulschiffes wurde in einem Blechspind mit dem Maßen 40x40x60 Zentimeter untergebracht. In diesem Spind mussten alle Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenstände hineinpassen.
Die bis zu dreijährige Ausbildung beim Deutschen Schulschiff-Verein war national und international anerkannt. Deutsche Reedereien und die Kaiserliche Marine stellten bevorzugt DSV-Matrosen ein.
Wer die See fürchtet mit ihrer Urgewalt, mit Sturm, Wellen und Einsamkeit, sollte nie zur See gehen. Wer sie lange befahren und bezwungen, ihre Schönheit und Einzigartigkeit erkannt hat, zehrt davon ein Leben lang und bedauert die armen Leute an Land.
