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Tischgespräch Über Paris und Hamburg an die Hunte

Evelyn Eischeid

ELSFLETH - „Einmal Schnitzel mit Beilagen“. Aus der Menüwahl macht der Dekan des Fachbereichs Seefahrt, Professor Dr. Klaus-Jürgen Windeck (65), beim Tischgespräch keine große Sache. Er ist ein Freund präziser und wohlüberlegter Entschlüsse und die haben sich auch während seiner über 26-jährigen Lehrtätigkeit in Elsfleth, davon 15 Jahre als Dekan des Fachbereichs, immer ausgezahlt.

Studium in Paris

Bevor das Essen serviert wird, gibt es ein zufälliges Wiedersehen mit dem emeritierten Professoren-Ehepaar Dr. Brigitte und Dr. Heinz Klose. Beide übten über viele Jahre ihre Lehrtätigkeit am Fachbereich Seefahrt aus. Windeck nimmt die Gratulation zu seinem jüngst begangenen Geburtstag entgegen und die Frage nach einer eventuell anstehenden Pensionierung kann der Dekan abschlägig bescheiden: „Meine jetzige Amtszeit läuft noch die nächsten zweieinhalb Jahre“.

Mit „Überredungskunst“ im besten Sinne hat Klaus-Jürgen Windeck in seinen Amtsjahren den Fachbereich der heutigen Jade-Hochschule – im Verbund mit vielen Kollegen und Gleichgesinnten aus Politik und Wirtschaft – aus dem „Tal der Tränen“ heraus gezogen.

Zählte die Ausbildungsstätte im Jahr 1992 gerade mal 42 Nautikstudenten, sind es heute rund 700 Studierende in den Studiengängen Nautik, Internationales Transportmanagement, Seeverkehrs- und Hafenwirtschaft sowie in dem Master-Studiengang „Maritimes Management“.

Bevor der gebürtige Herner seinen Dienst in Elsfleth antrat, war „Sesshaftigkeit“ für den Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaftler ein Fremdwort. Nach dem Studium in Bochum und Gießen absolvierte Windeck an der renommierten Elite-Hochschule „École Nationale d’Administration“ (ENA) in Paris ein weiteres Studium. Danach spezialisierte sich Windeck als Unternehmensberater und Internationaler Consultant renommierter Unternehmen für die Entwicklungshilfe.

Seine Tätigkeit führte ihn in 63 Länder, in denen er unter anderem maritime Projekte plante. Windeck: „Zum Ausstieg habe ich mich entschlossen, als mir klar wurde, dass ich zu den konventionellen Ansätzen der Entwicklungshilfe in der damaligen Zeit nicht weiter beitragen mochte. Ich bewarb mich gezielt auf eine Professur für Seeverkehrs-Ökonomie am Fachbereich Seefahrt“.

Kein Kulturschock

1997 wurde Windeck als Nachfolger von Dr. Manfred Dornieden zum Dekan des Fachbereichs gewählt, inzwischen ist es seine neunte Amtszeit. „Gewöhnungsbedürftig, aber kein Kulturschock“ sei der Wechsel von Hamburg in die Kleinstadt gewesen.

Nach der politischen Wende in Europa, die viele osteuropäische Schiffsoffiziere und Kapitäne auf den Markt der internationalen Schifffahrt schwemmte, geriet die nautische Ausbildung – nicht nur in Elsfleth – in schwere See. Schließungspläne für die Ausbildungsstätte, gegründet im Jahr 1832, standen im Raum. Windeck: „Uns war klar, das wir wegkommen mussten von nur einem einzigen Studiengang.“ Mit etwa zehn Studierenden begann 1992 im Wintersemester der erste neue Studiengang Seeverkehrs- und Hafenwirtschaft, das Internationale Transportmanagement wurde 1997 eingeführt. Es ging aufwärts am Fachbereich, die Anzahl der Studenten ist kontinuierlich gestiegen.

Auch Dank der berühmten „Windeck-Gleichung“ für die ideale Standortpositionierung, entschied sich das Land Niedersachsen, den Schiffsführungssimulator in Elsfleth zu errichten.

Die räumlich begrenzte Ausstattung des Fachbereichs erforderte weitere Maßnahmen: auf dem Maritimen Campus entstanden ein Forschungszentrum, ein neues Gebäude der Hochschule, das Maritime Kompetenzzentrum mit Internat für die Schiffsmechaniker-Ausbildung und schließlich das Maritime Trainingszentrum.

26 Jahre am Fachbereich mit vielen Erfolgen und einigen Turbulenzen, bleiben da noch Ziele? Windeck: „Wir sind in unserem Fachbereich entschlossen, unsere Lehre und angewandte Forschung noch zukunftsorientierter zu gestalten.“

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