Nordenham - Sprache ist der Schlüssel zum Bildungserfolg. Darin sind sich alle einig. Und deshalb spielen Sprachbildung und Sprachförderung in den Kindertagesstätten eine wichtige Rolle. Bert Freese, der bei der Stadt Nordenham das Amt für Bildung und Freizeit leitet, hat keinen Zweifel daran, dass in den Krippen und Kindergärten in Nordenham gute Arbeit geleistet wird. Was es bisher aber noch nicht gab, war ein gemeinsames Konzept zur Sprachbildung und Sprachförderung, das den Einrichtungen in Nordenham einen Handlungsrahmen und den Beschäftigten mehr Handlungssicherheit gibt. Das hat sich nun geändert.
Orientierung bieten
Fünf Frauen haben ein Jahr lang an der Erarbeitung eines solchen Konzeptes gearbeitet. Sie haben es jetzt fertiggestellt und bei einem Treffen im Einswarder Mehrzweckhaus an die Leiterinnen der Nordenhamer Kindergärten übergeben. Auf 44 Seiten sind die wichtigsten Leitlinien zusammengefasst, wobei sowohl Bert Freese als auch die Arbeitsgruppe betonen, dass das neue Konzept keine starren Vorgaben enthält, sondern vielmehr einen Rahmen, der Orientierung bieten soll.
Zur Arbeitsgruppe gehören die pensionierte Lehrerin Regina Hartmann von der Koordinierungsstelle des Landkreises für Sprachbildung und Sprachförderung, die Kindergartenleiterinnen Anneke Bessel, Martina Geberzahn und Kerstin Ulke sowie Kita-Mitarbeiterin Hilal Calgan. Mehr als 500 Stunden haben die Frauen an dem Konzept gearbeitet und dabei immer wieder Kolleginnen aus den Nordenhamer Kitas einbezogen.
Nach den Worten von Jens Freese genießt die Sprachbildung in den Nordenhamer Kitas höchste Priorität. „Es wird viel gemacht, aber das Rad muss nicht in jeder Einrichtung neu erfunden werden.“ Er habe festgestellt, dass in vielen Einrichtungen immer wieder dieselben Fragen aufkommen. Außerdem sei die Entwicklung bei der Sprachbildung in den vergangenen Jahren immer weiter gegangen. Auch aus diesem Grund habe die Stadt das Konzept in Auftrag gegeben.
Ein wichtiger Punkt im Konzept ist die Feststellung, dass Eltern und Fachkräfte eine Bildungspartnerschaft eingehen. Dies gelte besonders mit Blick auf zugewanderte Familien.
Regina Hartmann betont, dass im Elternhaus die entscheidenden Weichen gestellt werden. „Der Bildungserfolg der Kinder hängt in erster Linie von der häuslichen Kommunikation ab.“ So steht es im Rahmenkonzept. „Die Eltern haben es weitgehend in der Hand, ob ihr Kind eine Sprache entwickelt, die es befähigt, Freude an Mitteilungen und Fragen, am Erzählen, am Schriftspracherwerb und an Büchern zu entwickeln. Diese Tatsache in einer Form von Willkommenskultur zu vermitteln, hilft den Eltern, die Grundsätze des Spracherwerbs und ihre Rolle dabei zu verstehen.“
Sprache durch Spiel
Ein weiterer wichtiger Punkt im Konzept ist, dass Kinder Sprache nicht durch Belehrung und Instruktion erwerben. Besonders geeignet für die Sprachbildung sei das Spiel, weil es den Kindern ermöglicht, ihren eigenen Fragen und Anliegen zu folgen.
Ebenfalls wichtig ist laut Konzept die Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Grundschule. Sie sollten Sprachbildung als gemeinsames Anliegen begreifen. Ebenfalls im Konzept stehen Handlungsempfehlungen für die Träger der Einrichtungen, in diesem Fall die Stadt Nordenham. Dazu gehören unter anderem die räumliche Ausstattung, die Arbeitsbedingungen für die Fachkräfte und die Möglichkeit, zusätzliche Qualifikationen zu erwerben.
Nicht nur Jens Freese, sondern auch Bürgermeister Carsten Seyfarth lobte die Arbeit der Pädagoginnen. „Das ist ein Konzept aus der Praxis für die Praxis“, sagte er. Sprachbildung sei ein zentrales Thema, um deutschen und Kindern mit Migrationshintergrund erfolgreiche Bildungsbiografien zu ermöglichen.
