Guildford/Wildeshausen - Ich war bei einer alleinstehenden Frau untergebracht, die als Krankenschwester in der Klinik von Guildford arbeitet. Ihr Apartment lag im Zentrum der Stadt, was mir lange Fußwege oder Busfahrten zu Supermärkten oder der örtlichen Shoppingmall ersparte. Gleich beim ersten Gespräch mit meiner Gastmutter prüfte ich meine Englischkenntnisse. Jedwede Bedenken, sich durch falsche Aussprache oder Wortwahl zu blamieren, wurden schnell weggewischt. Meine Gastmutter ermutigte mich, mehr und freier zu sprechen.
Sofort am ersten Arbeitstag im englischen Betrieb wurde ein großer Unterschied im Vergleich mit vielen deutschen Firmen deutlich: der Dresscode. Allgemein ziehen sich die Engländer formeller an als die Deutschen – selbst in kleineren Betrieben ohne viel Kundenkontakt.
Zusammen mit Yannick Heine, einem der 21 Mitschüler der BBS Wildeshausen, arbeitete ich für zwei Firmen im benachbarten Godalming – Quantum Marketing Services und Red Ant Solutions. Wir bekamen Einblicke in das Lager und wirkten im Betriebsalltag mit.
Meine Aufgaben bestanden aus der Recherche von potenziellen Kunden, deren Webseiten verbesserungswürdig waren sowie der Schlagwort-Analyse von Webauftritten und deren Besucherzahlen.
Am ersten Wochenende stand ein Ausflug nach London an. Natürlich ist es unmöglich, an einem Tag alles, was London zu bieten hat, zu erleben. Aber man bekommt einen Eindruck und Lust darauf, für einen längeren Besuch wiederzukommen.
Weiterhin unternahm unsere Gruppe einen Ausflug in die Hafenstadt Portsmouth und betätigte sich beim Paintball oder AirHop sportlich. Im Guildford Museum gab es interessante Funde von der Frühgeschichte bis in die Neuzeit zu sehen. Sehenswürdigkeiten wie das Guildford Castle, die Kathedrale oder die historische Guildford Clock hat die Stadt ebenso zu bieten wie große Parkanlagen und Flussläufe.
Nach drei Wochen in England kann ich zudem mit einigen Vorurteilen aufräumen. Erstens: das Wetter. Nicht nur, dass es kaum regnete, auch die Sonne ließ sich öfter blicken und es wurde vorsommerlich warm. Zweitens: das Essen. Die Briten bewiesen, dass sie nicht nur Fish and Chips servieren können – das Essen in den Restaurants und Supermärkten war ausgewogen und schmackhaft. Und drittens: die Mentalität. Die Briten sind keineswegs mürrisch oder schlecht drauf – im Gegenteil. Überall wurde mir mit ausgesprochener Höflichkeit begegnet. Davon können sich einige Deutsche ruhig eine Scheibe abschneiden.
Im Rückblick auf meinen Auslandsaufenthalt kann ich eine überaus positive Bilanz ziehen. Ein unvergessliches Erlebnis. Und obwohl der Abschied für mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge stattfand, steht eines fest: England – ich komme wieder!
