Oldenburg - Ein lustiger Abend soll es werden, Jörg Robin will das Publikum unterhalten. Sein Vortragsthema: „Laserkühlung von Beryllium-Ionen in einer segmentierten linearen RF-Falle“. Klingt gar nicht lustig – und wer soll das bitte verstehen? „Das gelingt selbst manchen Physikern nicht“, räumt Robin ein.

Doch er tritt an, um das zu ändern. Der 32-jährige Doktorand der Uni Oldenburg ist unter die „Science Slammer“ gegangen. Mit sieben Konkurrenten verschiedener Disziplinen ringt er an diesem Sonnabend in Dortmund um die deutsche Meisterschaft im Wissenschaftler-Wettstreit, der an den „Poetry-Slam“ für Dichter angelehnt ist.

„Ziel ist es, einem Laienpublikum in zehn Minuten ein Forschungsthema verständlich und humorvoll zu erklären“, umreißt der Physiker mit Spezialgebiet Ultraschnelle Nanooptik die Aufgabe. Mit der Laserkühlung hatte sich Robin in seiner Masterarbeit an der Uni München intensiv beschäftigt. Dabei hantierte er mit Kurven, Diagrammen und Grafiken, wie er auf seinem Rechner demonstriert. „Doch das will beim Slam keiner sehen“, weiß er. Und plötzlich taucht ein bekanntes Gesicht auf: Die Comicfigur Gargamel mit Navigationsgerät und einem der Schlümpfe in den Krallen.

Die Ionen aus der Masterarbeit, die lasergekühlt in einer von Physikern aufgestellten Falle landen, hat Robin populärwissenschaftlich umgeleitet. „Wie Gargamel das Schlumpfdorf fand“ lautet der Vortragstitel, mit dem der gebürtige Emsländer bei der Slam-DM mehr als ein Wort um den Titel mitsprechen will. „Ich werde erklären, welche praktische Relevanz meine Masterarbeit hat“, begründet Robin. Denn die Ionen, also die kleinsten atomaren Teilchen, werden für das exakte Funktionieren von Atomuhren benötigt. Atomuhren sind Grundlage für Navigationsgeräte, die wiederum dem garstigen Gargamel helfen, die Schlümpfe ausfindig zu machen. So einfach kann Physik sein.

Erst im Mai dieses Jahres debütierte Robin bei einem Science Slam an der Uni. Er überzeugte und wurde zur norddeutschen Vorentscheidung nach Göttingen geschickt. Dort gelang ihm Platz zwei, mit dem er sich für Dortmund qualifizierte. „Dass es soweit geht, hätte ich nicht gedacht“, sagt er und blickt gespannt Richtung Finale: „Ich werde gar nicht soviel üben, denn man muss ja auch mal spontan reagieren können.“

Das Publikum will Robin mit einbinden und für sich gewinnen bei dieser Mischung aus Wissenschaft und Show. Schließlich stimmen die Zuhörer am Ende über den Sieger ab.

„Aber auf die Platzierung kommt es gar nicht an“, meint Robin, der schon immer gern Referate und Vorträge hielt. Wichtig sei, das Thema anschaulich zu vermitteln. Und für seine wissenschaftliche Praxis zieht er ebenfalls einen Nutzen aus seinem Hobby: „Man lernt dabei, Zusammenhänge so herunterzubrechen, dass Laien sie besser verstehen.“ Doch am Sonnabend stehe auch der Spaß im Vordergrund. „Die Karaoke“, wie er den Wettstreit mit einem Augenzwinkern nennt, kann beginnen.