„Jetzt erzähle ich eine Geschichte von früher. Ich ging noch zur Schule und wusste, dass die Erwachsenen anders als ich dachten, mich also überhaupt nicht verstanden.

Im Sommer bin ich immer nach der Schule durch die Wälder gestreift mit meinen Freunden. Ich kannte jeden Vogel, wusste, wie sie Nester bauten, kannte die Farbe und Form ihrer Eier und wusste, wie lang es dauerte, bis die Jungen schlüpften.

Aber im Winter war es anders. Ich wohnte um 1950 in Plauen bei Brandenburg. Dort gab es riesige Seen, die im Winter bei Minusgraden immer zugefroren waren. Da es mittags immer am wärmsten war, ca. minus zehn Grad, flog meine Büchertasche in die Ecke, ich griff meine Schlittschuhe, und ab ging es zum See. Dort warteten schon Eberhard, Klaus und Dieter auf mich. Alle hatten wir selbst gebaute Hockeyschläger und einen Puck, einen umwickelten kleinen schweren Stein. zunächst mussten wir unsere Schlittschuhe anziehen. Das war gar nicht so einfach! Wir waren furchtbar stolz auf unsere Holländer, die wir mit Lederriemen an unsere Schuhe binden mussten. – Dann ging es los. – Wir spielten bis zum Dunkelwerden und merken auch die Kälte nicht. Wir waren auf dem Eis schnell wie der Blitz und mussten nur aufpassen, dass wir nicht zu dicht an die Schleuse kamen. Dort war das Eis nicht sicher. Es passierte auch, dass wir ein kleines Loch übersahen, welches die Fischer zum Fischen geschlagen hatten. Rutschte einer mit dem Bein da rein, mussten wir nach Hause, denn das Wasser gefror nach kurzer Zeit am Bein.“

Erika Stanzik,

Elsfleth