Berne - „Am aller-allermeisten freu’ ich mich auf die Pausen“. Lange muss Oke nicht mehr warten, bis er beim ersten Gongschlag aufspringen und das Klettergerüst vor der Berner Grundschule entern kann. Die Zeit dazwischen ist auch ganz okay, wissen die zukünftigen Klassenkameraden des Fünfjährigen.

Drei Wochen lang konnten die Vorschulkinder des Kindergartens Berne schnupperweisen den Ernst des Lebens kennen lernen. Und der macht mächtig Spaß. Ausflüge machen, gemeinsam frühstücken, malen, basteln, fotografieren stand zwischen acht und zwölf Uhr auf dem Stundenplan der 26 Abc-Schützen in spe. Aber auch: üben. „Die Kinder sollen vorab wissen, was ab September auf sie zukommt, sich an die neue Tagesstruktur gewöhnen und lernen, sich selbst zu behaupten“, sagt Anke Stanke.

Die Erzieherin hat das dreiwöchige Projekt mit drei anderen Kollegen betreut und entwickelt. In der benachbarten Grundschule fühle sie sich inzwischen selbst ganz heimisch. Ihre Schützlinge sowieso. „Die kennen jetzt ihre Lehrer, das Sekreterat und die Hausmeister. Außerdem hat jedes Vorschulkind einen Paten bekommen. Zusammen haben wir eine Buchstabenrallye gemacht“, sagt die 53-Jährige. Die größeren Schüler sollen den Erstklässler dann später beistehen. Zur Not. „Wir haben versucht, die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen, einen sicheren Rahmen zu schaffen. Die Kleinen sollen sagen können: Hier bin ich“, sagt Antje Stanke.

Unter dem Motto „Mein Lieblings...“ hat sie mit ihren Kollegen ein buntes Programm zusammen gestellt. Die Jungen und Mädchen haben ihre Familien fotografiert und ein Album mit den Liebsten gebastelt, die schönsten Träume mit Tusche und Buntstift zu Papier gebracht, Wunschbilder gemalt – und ein Feinschmeckerfrühstück für Schulkinder zusammen gestellt. „Fischstäbchen mit Majo“, sagt Dascha. In der Schultüte der Fünfjährigen sollen allerdings keine panierten Filets landen: „Das schmiert nur rum.“ Eingekauft hat die Vorschülerin mit den Altersgenossen fürs gemeinsame Essen auf dem Braker Wochenmarkt. Anschließend ging’s an den Strand.

„Ausflüge werden in der Schulzeit auch gemacht – nicht nur Frontalunterricht“, sagt die Erzieherin. „Aber natürlich wird Lesen, Schreiben, Rechnen und Präsentieren auf sie zukommen.“ Das konnten die Vorschüler schon einmal beim Vorstellen ihrer Fotobücher üben. Vor den Großen. Dass sie selbst bald dazugehören, macht stolz – und auch ein bisschen traurig. Darum wird diesen Freitag als Projektabschluss in der Kita Abschied gefeiert.

Und dann sind erstmal große Ferien. Ganz schön lange – zumindest für Oke, der die Pausen kaum erwarten kann. Und den Deutschunterricht: „Damit ich meinem kleinen Bruder Gute–Nacht-Geschichten vorlesen kann.“