Ganderkesee - Während in Hannover diskutiert wurde, wurde am Gymnasium Ganderkesee protestiert: Die Mehrheit des etwa 80-köpfigen Kollegiums, die Schulleitung, eine große Zahl von Schülern sowie Elternvertreter beteiligten sich an der Aktion „Ein schwarzer Freitag für die Bildung“, zu der Personalräte mehrerer Gymnasien in Oldenburg und Umgebung aufgerufen hatten.

Durch schwarze Kleidung und ein gemeinsames Foto drückten sie ihre Missbilligung für die Verabschiedung des Landeshaushalts aus, die fast zeitgleich im Niedersächsischen Landtag vonstatten ging. Eine Erweiterung der Unterrichtsverpflichtung von 23,5 auf 24,5 Stunden sowie eine Aussetzung der Altersermäßigung für Gymnasiallehrer sind die Kernpunkte.

„Es geht uns nicht um eine Stunde Mehrarbeit“, erklärte Karen Freund, Studienrätin und Personalratsvorsitzende am Gymnasium Ganderkesee. „Die eine Stunde zusätzliche Unterrichtsverpflichtung ist für uns nur ein I-Tüpfelchen auf einer Entwicklung.“ Mit dem Protest wolle man vielmehr deutlich machen, dass Lehrer ohnehin einer hohen zeitlichen Belastung ausgesetzt seien.

„Wir gehen nicht mittags nach Hause und haben dann frei“, so die 32-Jährige. Eine hohe Korrekturbelastung und Neuerungen in den Curricula – etwa durch G8 und Inklusion – würden die Kollegen ohnehin weit über die vorgesehenen 40 Arbeitsstunden pro Woche fordern, erklärte Karen Freund. Das gelte trotz der langen Ferienzeiten.

Auch werde vielfach nicht gesehen, dass die Lehrer jetzt jene Stunden „ausbezahlt“ bekommen sollten, die seit 1998 – in den Zeiten des Lehrermangels – in Form von Mehrarbeit auf Arbeitszeitkonten gesammelt wurden. „Statt zwei Stunden bekommen wir nun nur eine zurück“, erklärte Karen Freund.

„Wir wollen wissen, an welcher Stelle wir streichen sollen“, formulierte die Personalratsvorsitzende die Forderung der Lehrerschaft. „Aber wir bekommen von der Politik einfach keine Antwort.“

Einige haben sich die Frage bereits selbst beantwortet: Sie wollen künftig auf außerunterrichtliche Aktivitäten wie Klassenfahrten verzichten. Auch am Gymnasium Ganderkesee werde das diskutiert, sagte Karen Freund. Vier Plus-Stunden würden Lehrern übrigens für eine fünftägige Fahrt angerechnete. Die Entscheidung, ob er Klassenfahrten begleite, sei grundsätzlich jedem selbst überlassen. „Aber die Mehrheit der Kollegen stellt das für sich derzeit infrage.“

Karoline Schulz
Karoline Schulz Redaktion Ganderkesee