Cloppenburg - Es riecht nach feuchter Erde, die Kinder laufen aufgeregt durcheinander, halten ihre bunt bemalten Blumentöpfe in der Hand. Hildegard Meyer, hauptamtliche Koordinatorin des Hospizdienstes für den Landkreis Cloppenburg, hilft gerade zwei Drittklässlern der Antonius-von-Padua Grundschule Bethen beim Einpflanzen einer kleinen Bohnenpflanze. Dass Bohnenpflanzen Teil einer Projektwoche über Tod sind, kann zumindest als ungewöhnlich bezeichnet werden.
Doch die fröhliche Stimmung ist Teil des Konzepts „Hospiz macht Schule“, welches von der Bundes-Hospiz-Akademie entwickelt wurde und vom Hospizdienst für den Landkreis in den hiesigen Schulen umgesetzt wird. In ihrer täglichen Arbeit beim Hospizdienst merkte Koordinatorin Meyer, dass Kinder und Jugendliche Angst haben und unsicher sind, wenn es um den Tod und das Sterben geht. Um diese Angst zu nehmen, wurden 14 Mitarbeiter des Dienstes für das Programm geschult, erläutert Meyer bei einem Pressetermin am Donnerstag.
Fünftägiges Programm
„Die Schüler lernen, über den Tod zu sprechen und dass Trauer und Tränen rausdürfen“, so Meyer. Das Programm vermittele den Schülern, dass der Tod zum Leben gehört.
Insgesamt sind Meyer und fünf weitere Mitarbeiter eine Schulwoche in Bethen und erarbeiten an den Tagen unterschiedliche Themenschwerpunkte, wie das Älterwerden, Krankheiten und auch Trösten. Im vergangenen Jahr wurde das Projekt erstmalig in Cloppenburg durchgeführt.
Tod und Sterben hieß das zentrale Thema am dritten Tag. Die Betreuer, wie auch die Klassenlehrerin Sonja Claus, sprachen mit den Schülern über Bestattungen, über den anschließenden Leichenschmaus und darüber, dass Erinnerungen wichtig sind. „An diesem Tag sind schon einige Tränen geflossen, deswegen folgte ein schöner Tag“, so Meyer. Am folgenden Tag wurde gemalt, meditiert und sich als Gärtner versucht.
Kümmern und Pflegen
Mit den eingetopften Bohnenpflanzen sollen die Knirpse das Thema Pflegen und Kümmern kennenlernen. „Am Ende der Projektwoche nehmen die Schüler die Pflanze mit nach Hause und müssen sie gießen und sich kümmern, damit sie wachsen kann.“
Den letzten Baustein bilden an diesem Freitag der Schwerpunkt Trost und Trösten sowie ein Abschiedsfest. Schulleiterin Kerstin Götting ist froh, dass das Hospiz-Team die Aktion in ihrer Schule durchführt. Im Vorfeld wurde die Projektwoche mit den Eltern abgesprochen, und die Resonanz sei damals und auch jetzt während der Phase positiv. „Die professionelle Umsetzung eines so schwierigen Themas ist toll.“ Begeistert sind auch die Schüler. Wenn man sie nach den vergangenen Tagen fragt, berichten sie freudestrahlend von Filmen, Geschichten und Basteln. Die bunten Ergebnisse zeigen, dass die Projektwoche keine dunklen Eindrücke bei den Kindern hinterlassen hat.
