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Bildung „Diese Schule gehörte immer zum Dorf“

Horst Lohe

ESENSHAMM - Sie stammt aus Nordhessen, hat in Göttingen studiert und wollte anschließend in Göttingen oder im Harz arbeiten. Doch Gisa Henke wurde vor 46 Jahren ausgelost, nach Esenshamm zu gehen. Ihr erster Eindruck, als sie im April 1966 vor der damaligen Volksschule stand, war positiv: „Das ist eine hübsche kleine Schule.“

Fast 41 Jahre – bis zu ihrer Pensionierung im Februar 2007 – hat die heute 69-Jährige an dieser Dorfschule mit Freude unterrichtet. Etwas auf der Kippe gestanden hatte die kleine Schule bereits einmal 1997. Als Gisa Henke 2007 ausschied, hatte sie Sorge um die Zukunft der Schule. Heute, eine Woche bevor die Grundschule für immer geschlossen wird, denkt die ehemalige Lehrerin wie viele Esenshammer: „Das ist sehr schade, aber es lässt sich wegen stark rückläufiger Schülerzahlen wirklich nicht ändern.“

Ein Jahr, nachdem die gebürtige Nordhessin unfreiwillig als Lehrerin in Esenshamm begonnen hatte, kam ihrer späterer Ehemann als Realschullehrer nach Nordenham. Das Paar nahm sich vor, nach der zweiten Lehrerprüfung nach Süddeutschland zu wechseln. Doch dann lernte es viele Freunde kennen. Auch der Schuldienst in der nördlichen Wesermarsch gefiel. Nur etwa 300 Meter von der Esenshammer Schule entfernt bauten sie sich ein Eigenheim – und haben nie bereut, in diesem Dorf geblieben zu sein.

Als Gisa Henke, deren Mann 2003 verstarb, 1966 in Esenshamm anfing, unterrichtete sie eine 1. Klasse mit 40 Schülern – heute undenkbar. Kurz vor Schließung zählt die Schule elf Kinder in der 4. Klasse und 18 in der Kombiklasse. Erstklässler werden bereits seit Schuljahresbeginn in Abbehausen unterrichtet.

Kultureller Mittelpunkt

Die Esenshammer Schule sei kultureller Mittelpunkt im Dorf, ihr erster Schulleiter auch Organist und Kirchenchorleiter gewesen, erinnert sich Gisa Henke. Die Mutter eines heute 42 Jahre alten Sohnes arbeitete zusammen mit den Schulleitern Manfred Hinz (1966 bis 1973; er wurde später Schulrat), Heddo Peters (1973 bis 1980; er wechselte nach Atens), Günter Jung (1980 bis 1990; er wurde Rektor der Südschule), Margret Janssen (1990 bis 1997; sie wechselte als Konrektorin zur Südschule) und Evelyn Dannheim-Sausner (seit 1997).

Schulleiter und viele Lehrer haben sich auch im Dorfleben engagiert. Die Schule beteiligte sich an Straßenfesten und Sportveranstaltungen. Schulfeste waren stets Dorffeste. „Die Schule gehörte immer zum Dorf“, sagt Gisa Henke.

Für anschauliche Unterrichtseinheiten besuchten Lehrer mit ihren Klassen gerne die Dorfkirche, einen Bauernhof oder die Feuerwehr.

Besonders geschätzt hat Gisa Henke engen Kontakt zu Kindern und Familien. „Jedes Kind kannte jeden Lehrer und umgekehrt. Diese persönlichen Beziehungen sind ganz wichtig für die Entwicklung eines Kindes.“ Die herzliche Atmosphäre sei bei Einschulungs- und Abschiedsfeiern sehr deutlich geworden.

Sport im Festsaal

Trotz der Gebietsreform 1973, als Kleinensiel zur Gemeinde Stadland kam, besuchten noch bis 1985 Kinder aus Kleinensiel und Havendorf die Schule im neuen Nordenhamer Stadtteil Esenshamm. Anschließend nahm die Schülerzahl leicht ab. Seit Einweihung der Sporthalle 1987 fand der Sportunterricht nicht mehr im Saal der Gaststätte Esenshammer Hof statt.

Geprägt sei die Esenshammer Grundschule auch vom großen Engagement der Eltern – nicht nur bei Schulfesten.

Das alles ist leider bald Geschichte. Gisa Henke erinnert an den Spruch einer Kollegin: „Wenn der Klassenlehrer den Klassenausflug mit dem eigenen Auto machen kann, dann wird es kriminell.“

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