Barßel - Auf dem Smartboard steht „CDU + FDP“, darunter „SPD + Grüne“, zum Schluss „Die Linke“. In der achten Klasse der Soeste-Schule in Barßel spielt Lehrer Uwe Kunze an diesem Morgen mögliche Koalitionen im Bundesparlament durch – „Zusammenarbeit nennen wir das“, sagt Kunze. Begriffe wie Koalitionen, Mandate, Votum, die in Zeitung, Fernsehen oder von Politikern wie selbstverständlich genutzt werden, sind für viele Schüler nicht zu verstehen, so auch für die Achtklässler der Förderschule Lernen und Emotionale und Soziale Entwicklung.
Seit Anfang des Schuljahres beschäftigen sich die Schüler der achten Klasse in den Fächern Geschichte und Politik bereits mit der Bundestagswahl – ebenso wie die Klassen sieben und neun. Und das nicht nur theoretisch. Die drei Klassen nehmen nämlich auch an der NWZ -Aktion „Schüler wählen“ teil. Dazu bekommen die Schüler der drei Klassen – Dank finanzieller Unterstützung der LzO – jeden Morgen die Nordwest-Zeitung in die Schule geliefert. Die Zeitungen werden nach Wahlthemen ausgewertet. Zahlreiche Zeitungsausschnitte hängen bereits an der Stellwand.
Diese Aktion helfe, den Schülern die Scheu vor der Wahl zu nehmen, damit – wenn sie denn alt genug sind – sie auch von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen, sagt Uwe Kunze. Bevor es um die Inhalte gehen kann, wird Grundsätzliches geklärt: Welche Parteien sind im Bundestag vertreten? Was bedeutet es, wenn von „Rot/Grün“ die Rede ist? Was ist die Erststimme, was die Zweitstimme? Kunze: „Die Annäherung an die Wahl im Unterricht ist sehr gut gelungen.“ Er hatte im Internet sogar die Wahlprogramme der großen Parteien in leicht verständlicher Sprache formuliert gefunden.
Den Auftritt von Angela Merkel am vergangenen Sonntag beim TV-Duell fand Ann-Kathrin „langweilig“, wie sie offen zugibt. Sie habe schnell wieder umgeschaltet. Auch bei Markus kommt die Bundeskanzlerin eher weniger gut weg. Er würde seine Stimme Peer Steinbrück geben, verrät er. Wem er aber am Freitag – dann wird an der Soeste-Schule gemeinsam mit den beiden übrigen Klassen die NWZ -Aktion „Schüler wählen“ durchgeführt – seine Erststimme gibt, will er nicht verraten: „Die Wahl ist ja geheim.“
Im Elternsprechzimmer wird an diesem Freitag eine Wahlkabine neben der Wahlurne der NWZ aufgestellt. Sogar eine Wahlbenachrichtigungskarte haben die Schüler bekommen, die sie vorzeigen müssen, bevor sie ihre Stimmzettel erhalten. Alles solle so realistisch wie nur möglich ablaufen, sagt Uwe Kunze.
Das Ergebnis der Bundestagswahl am 22. September wollen sich Julien und Ann-Kathrin in jedem Fall nicht entgehen lassen.
