Stenum/Ganderkesee - Tock, tock, tock. Die Regentropfen trommeln auf die zwischen den Bäumen gespannte Folie. Konzentriert sitzen darunter Philipp (9) und Fynn (7) am Tisch und rechnen. Torge (6) schreibt nach dem „Baukastensystem“ Worte mit dem Buchstaben M auf einen Baumstamm. Mimi, Mumu, Emu oder Mami sind zu lesen. „Das ist unsere Tafel“, sagt Lehrerin Ute Brock. „Einen Wischlappen brauchen wir nicht. Das erledigt der Regen.“

Bei jedem Wetter sind die acht Kinder an ihrem „Lernort“: dem Wäldchen Großer Mittelhoop bei Stenum. Bislang gehörte die Waldklasse zur Förderschule Lernen am Habbrügger Weg in Ganderkesee. Doch seit Beginn des neuen Schuljahres ist sie als „Eulenklasse“ eine von sechs weiteren Gruppen der Eingangsstufe der Grundschule Dürer­straße. „Wir sind jetzt mit im Boot“, sagt Lehrerin Wiebke Vörding.

Die NWZ  fragte nach, was sich geändert hat. Eigentlich wenig, sagt Rektor Frank von der Aa. Über den Schulverbund habe man ohnehin seit Jahren zusammengearbeitet. Als die Entscheidung anstand, ob die Waldklasse an die Grundschule Dürerstraße angekoppelt wird, fiel das Votum von Eltern und Lehrern einmütig aus. Der neue „Lernort“ gilt als attraktiv. Zwei Schüler wechselten von der Dürerstraße in die Waldklasse. Weil die Zahl der Plätze begrenzt ist, konnten drei Kinder nicht aufgenommen werden.

Jeweils montags planen die Pädagogen der Eingangsstufe das Wochenprogramm. Vörding und Brock sitzen mit am Tisch. „Die Lerninhalte sind nahezu identisch“, berichtet von der Aa. Die Kinder haben drei Jahre Zeit, den Stoff der früheren Klasse 1 und 2 zu lernen. Über das „Lernen mit allen Sinnen“ gebe es unter den Pädagogen einen regen Austausch. Alle Lehrer hätten sich bereits im Großen Mittelhoop informiert. Nach und nach sollten auch die Schüler der Dürer­straße diesen besonderen Lernort kennenlernen. So sei ein gemeinsamer Projekttag im Wald denkbar. Das Miteinander wird aber längst gelebt: Es gab eine gemeinsame Einschulungsfeier. Die „Betreuungszeit“ in der fünften Schulstunde verbringen auch die Kinder der Waldklasse an der Dürerstraße. Und beim Herbstsingen werden sie ebenfalls lautstark mitmischen. Auch beim Sport-Förderunterricht sind die „Eulen“ aktiv. Der Wald lädt die Schüler geradezu ein, ihren natürlichen Bewegungsdrang und ihre Kreativität auszuleben. Als die Gruppe am Mittwoch auf einem durchnässten Hügel tobt, kommt prompt die Idee auf, den Lehm zum Basteln von Figuren zu nutzen.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent