EVERSTEN - Nicht jeder hat den Matheunterricht seiner Schulzeit in bester Erinnerung – die abstrakte Welt der Zahlen und geometrischen Formen, Brüche und Gleichungen bleibt für viele Jugendliche ein böhmisches Dorf. „Besonders praktisch veranlagte Schüler haben Probleme im Unterricht“, erklärt Mathematiklehrer Franz Schüler. Ein neues Projekt der Grundschule Staakenweg, an der Franz Schüler unterrichtet, soll besonders diesen Kindern Spaß an Mathematik vermitteln: „In unserer mobilen Mathematikwerkstatt können sich Schüler der Klassen eins bis vier auf eine Forschungsreise begeben“, erläutert der Lehrer, „die mathematischen Inhalte unseres Kerncurriculums werden hier ganz handlungsorientiert vermittelt.“
Am Tag der Vorstellung der Werkstatt tobt die Klasse 3b durch die Turnhalle der Grundschule. Die Schüler erproben die 28 mathematischen Stationen, die hier aufgebaut sind. Feenja (8) und May (9) versuchen sich an den „Somawürfeln“, farbigen Bausteinen, die sie in bestimmter Weise zusammenfügen müssen – räumliche Vorstellungskraft ist gefragt. An einer anderen Station beweisen Maximilian (8) und Jonas (9) Ingenieurstalent – aus flachen Holzstreifen bauen sie eine selbsttragende „Leonardobrücke“. Einige Meter weiter dreht Henk (9) das farbige Glücksrad und bemerkt, dass er öfter gewinnt, wenn er auf die gelben Flächen setzt, die häufiger auf der Scheibe vertreten sind – die Grunderkenntnis der Wahrscheinlichkeitsrechnung.
Das Konzept der Werkstatt „Entdecken, Erforschen und Erklären“ wurde von Lehrerteams der Grundschule Staakenweg und der Grundschule „Unter dem Regenbogen“ in Kreyenbrück entwickelt. Realisiert wurde das Projekt in Zusammenarbeit mit der Universität Oldenburg und der VHS-Jugendwerkstatt, finanzielle Unterstützung gab es von der „Stadt der Wissenschaft“.
„Unser Vorbild ist eine Mathewerkstatt, die von 40 Grundschulen in Hamburg konzipiert wurde“, sagt Franz Schüler. Er hoffe, dass sich auch in Oldenburg zukünftig mehrere Schulen zusammenschließen, um weitere pädagogische Konzepte zu entwickeln.
„Wir nehmen damit am bundesweiten Projekt ,Sinus-Transfer-Grundschule’ teil, das sich zur Aufgabe gemacht hat, Mathe- und Sachunterricht zu verbessern“, so Franz Schüler. Dass die Bemühungen der Grundschule Staakenweg zu einer Verbesserung des Unterrichts führten, habe auch jüngst eine Untersuchung der Schulinspektion bewiesen, die der Schule durchweg hohe Unterrichtsqualität bescheinigt habe, betont Franz Schüler.
Nachdem die Werkstatt noch eine Woche am Staakenweg bleibt, wird sie an der Schule „Unter dem Regenbogen“ aufgebaut. Danach kann sie ausgeliehen werden.
