Falkenburg - „Bist du auch traurig, dass du nicht mehr in die Schule kommst?“, fragte ein Drittklässler der Grundschule Habbrügge die Lesepatin Theda Birx an ihrem letzten Schultag. Fast zehn Jahre lang ging die Seniorin an zwei Tagen in der Woche in „ihre“ Grundschule, um leseschwache Schülerinnen und Schüler gezielt zu fördern.
Jugendtraum Lehrerin
Nach langer und reiflicher Überlegung habe sie sich 2009 dazu entschlossen, sich ehrenamtlich über das FreiwilligenForum „Mach mit“ in der Grundschule zu engagieren. Die Gemeindemitarbeiterin Christa Wachtendorf habe ihr damals zugeraten, diese Aufgabe zu übernehmen. Damit habe sie sich noch sehr spät einen Jugendtraum erfüllen können, denn sie wäre zu gern Lehrerin geworden. Aus familiären Gründen war eine solche Ausbildung in der damaligen Zeit nicht finanzierbar, erzählt Birx.
„Theda Birx ist unsere älteste Lesepatin“, sagt Christa Wachtendorf, die sich mit einem Blumenstrauß für den langjährigen ehrenamtlichen Einsatz bedankte und eine Grußkarte von Bürgermeisterin Alice Gerken überreichte. „Sie hat den Kindern nicht nur das Lesen beigebracht, sondern ihnen auch viel für ihr Leben mitgegeben.“
Zehn Jahre Ehrenamt
Ausschließlich aus gesundheitlichen Gründen gibt die 84-Jährige ihr Ehrenamt nun nach fast zehn Jahren schweren Herzens auf. Oftmals sei sie mittags lachend aus der Schule nach Hause gegangen, manchmal auch nachdenklich oder traurig, berichtet Birx. Aber meistens hätten die Kinder sie auf dem Weg begleitet. Oft hätten sie ihr auch den Rollator schon zurechtgestellt.
Überhaupt habe der „Großmutterbonus“ ihr bestimmt geholfen das Vertrauen der Kinder zu gewinnen, meint Theda Birx – denn die Kinder hätten es sehr genossen, dass eine Erwachsene sich 25 Minuten Zeit nur für sie und das gemeinsame Lesen nimmt. „Diese Arbeit hat auch mich sehr bereichert“, sagt Birx.
Nun habe sie erst einmal Ferien und dann wolle sie selbst nochmal lernen, um ihr Klavierspiel zu verbessern. Und bestimmt werde sie auch mal wieder in die Grundschule Habbrügge gehen. Denn der Drittklässler habe zum Schluss gesagt: „Komm uns doch einfach besuchen.“
