Nach zähem Ringen um die Wahrheit ist der Prozess gegen die Rektorin der Haupt- und Realschule Leharstraße mit einer Verurteilung zu Ende gegangen, das Amtsgericht Cloppenburg kann die Akte schließen. Doch damit ist der Fall keineswegs vom Tisch.

Denn der vergleichsweise harmlose, reflexartige Schubser der Pädagogin gegen eine Schutzbefohlene – nicht zu verharmlosen, aber in einer Brennpunktschule mit hohem Migrationsanteil nicht auszuschließen – hat sich zum handfesten Skandal ausgewachsen.

Skandalös, weil Lehrerinnen und Lehrer aus Opportunismus und Willfährigkeit hehre pädagogische Grundsätze mit Füßen getreten und ihre Garantenpflicht verletzt haben. Skandalös, weil Polizisten offensichtlich aus Obrigkeitsdenken die Schülerinnen nicht ernst genommen und schlampig ermittelt haben. Skandalös, weil die Staatsanwaltschaft eine ernsthafte Aufklärung über Jahre vor sich hergeschoben hat. Nur aufgrund von Personalfluktuation und Überlastung? Skandalös, weil die Schulbehörde – und im Nachgang das Kultusministerium – trotz Kenntnis der Vorfälle und Interventionen von Lehrern und Eltern zu keinem Zeitpunkt einen Anlass zum Eingreifen sah. Oder sollten die Entgleisungen gedeckelt werden?

Wer glaubt, nach der Tragweite der Vorfälle, der Spaltung des Lehrerkollegiums und dem Imageschaden der Schule zur Tagesordnung übergehen zu können, unterliegt einem Irrtum. Ein hoffnungsvoller Neuanfang unter neuer Leitung ist den verbliebenen Pädagogen und Schülern nur zu wünschen.

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