Oldenburg - Die Integrierten Gesamtschulen sind der Stadt lieb und teuer: An den drei Standorten – Helene-Lange-Schule am Marschweg, Flötenteich und Kreyenbrück – wurde und wird kräftig investiert. In diesem Jahr fließen die Mittel schwerpunktmäßig in die IGS Flötenteich: 5,3 Millionen Euro sollen dort investiert werden.
Einen hohen Stellenwert genießen die Gesamtschulen auch in der Elterngunst, was die Anmeldungen für die 5. Klassen angeht. Die IGS war auch im aktuellen Schuljahr die Schulform, bei der Wünsche und tatsächliche Plätze am stärksten voneinander abwichen. 554 Anmeldungen wurden für die drei IGS-Standorte notiert – weil „nur“ 433 Plätze zur Verfügung stehen, blieben 121 Wünsche unerfüllt. Das IGS-Anmeldeverfahren ist zeitlich stets vorgeschaltet, so dass diejenigen, die keinen Platz bekommen haben, die Chance haben, sich im zweiten Versuch an Gymnasien und Oberschulen anzumelden.
Am gefragtesten ist die IGS Helene-Lange-Schule. 216-mal war Oldenburgs älteste IGS vor dem Schuljahr 2016/2017 Erstwunsch, nur 111 dieser Wünsche konnten wegen der auf Vierzügigkeit begrenzten Kapazität erfüllt werden. Bemerkenswert: Die HLS war die einzige IGS, die bei den Neulingen die Leistungsgruppe I (entspricht weitgehend Gymnasialniveau) komplett abbilden konnte. Weniger Anmeldungen (fürs Schuljahr 2016/2017 waren es 189), aber dennoch die meisten Fünftklässler hat die IGS Flötenteich: Sie ist mit 172 Schülern im 5. Jahrgang sechszügig und damit die größte IGS. Die als jüngste Gesamtschule im Jahr 2010 gestartete IGS Kreyenbrück ist diesem Schuljahr mit 147 Fünftklässlern fünfzügig.
IGS Helene-Lange-Schule
Warum die IGS Helene-Lange-Schule so attraktiv ist? Schulleiter Diedrich Smidt glaubt: „Die offene Schullaufbahn bietet Zeit für die Entwicklung. Die Entscheidung über die Abschlüsse fallen zu einem späten Zeitpunkt in der Schullaufbahn. Die Kinder stellen sich der Herausforderung des gemeinsamen Lernens und alle profitieren davon. Die Lehrkräfte richten den Blick auf die individuelle Entwicklung der Schülerinnen und Schüler. Alle Schüler werden auch mit ihren jeweiligen Stärken gesehen. Es findet eine Begegnung auf Augenhöhe statt. Die Schüler werden nicht nur als Lerner, sondern als Persönlichkeiten ernst genommen.“ Der gebundene Ganztagsbetrieb biete viele Chancen des Schullebens mit individuellen Schwerpunktsetzungen, eigene Interessen könnten in den Blick genommen werden. „Schüler können ihre Schule mit gestalten“, so Smidt.
Hinzu kommen jetzt am Marschweg stark verbesserte räumliche Bedingungen: 4,6 Millionen Euro wurden in den im vergangenen Herbst eingeweihten Erweiterungsbau investiert. Das neue Gebäude umfasst über 1100 Quadratmeter Nutzfläche in drei Etagen und viele Räume für Fachunterricht (Musik, Kunst, Werken/Technik, Hauswirtschaft), Räume für Inklusion sowie Verwaltungsräume. 3,08 Millionen Euro fließen in diesem Jahr in die Fortsetzung der Umbauarbeiten im Altgebäude (insgesamt 7,4 Millionen Euro).
IGS Flötenteich
Vor einigen Veränderungen – inhaltlicher und baulicher Art – steht die IGS Flötenteich. Mit dem Schuljahr 2017/18 will sie eine neue Rhythmisierung einführen. Der Schultag wird zukünftig ab 8 Uhr beginnen und montags bis donnerstags um 15.35 Uhr enden, freitags endet der Schultag in der Regel mittags. Mit der Einführung des neuen Zeitrasters soll eine verbesserte Verzahnung von Unterricht mit den Ganztagsangeboten und somit auch die Stärkung des kulturellen Profils („Schule: Kultur!“) und des sportlichen Profils (sportfreundliche Schule) erreicht werden. „Der Schultag wird für alle gesundheitsfördernder und beruhigter gestaltet, und den Schülerinnen und Schülern werden mehr Möglichkeiten gegeben, individuelle Schwerpunkte zu setzen“, erklärt Schulleiterin Hannelore Lüllwitz.
Kernpunkte seien ein Doppelstundenmodell, d. h. die Schüler haben maximal drei verschiedene Unterrichtsfächer pro Tag. Jeder Tag beginnt in der Sek I mit einer „Zeit für mich“, in der die Schüler ihr Lernen selbst organisieren, in den für sie erforderlichen Bereichen üben und von Lehrkräften beraten werden. In einem Mittagsband „Zeit für vieles“ von 12.10 bis 14.10 Uhr können aus breitgefächerten unterrichtlichen, kulturellen, sportlichen und sozialen Angeboten individuelle Schwerpunkte gewählt werden.
Auch für die Schüler der Sekundarstufe II wird es in diesem Zeitraum („Zeit für vieles“) Angebote geben, die es ihnen ermöglichen, individuelle Arbeitsschwerpunkte zu setzen. In der Einführungsphase sollen inhaltliche und methodische Grundlagen für die Arbeit in der Oberstufe im Vordergrund stehen, während die Qualifikationsphase die fachliche Förderung und Forderung verstärkt in den Blickpunkt nimmt.
Mit dem nächsten Schuljahr nimmt die IGS Flötenteich den 4. sechszügigen Jahrgang auf, d. h. in den Jahrgängen 5 bis 8 gibt es jeweils sechs, in den Jahrgängen 9 und 10 jeweils vier Klassen. Ein Großteil der Umbau- und Sanierungsmaßnahmen wird zum Schuljahresbeginn 2017/18 im Hauptgebäude abgeschlossen sein. Auch ein Neubau mit einem Jahrgangsbereich für sechs Klassen, zwei neuen Kunst- und Musikräumen sowie einem Verwaltungsbereich steht dann zur Verfügung. „Die räumlichen Veränderungen verbessern die Lernatmosphäre und unterstützen die Umsetzung unserer pädagogischen Arbeit“, ist Hannelore Lüllwitz überzeugt.
IGS Kreyenbrück
„Wir machen Schule!“, lautet das Motto an der IGS Kreyenbrück. „Individuelle Lernunterschiede und variierende Interessen der Schülerinnen und Schüler betrachten wir als Chance und Herausforderung und nicht als Problem für das tägliche Miteinander. Alle schulischen Überlegungen haben als Ausgangspunkt die Schüler unserer Schule“, betont Schulleiter Jens Kazmirek.
Besonders zeichnet sich die IGS Kreyenbrück durch das Projekt LdE (Lernen durch Engagement), das im 7. und 8. Jahrgang als Fach in der Stundentafel verankert ist und den Schülern Raum für gesellschaftliches, demokratisches und nachhaltiges Handeln ermöglichen soll. Stolz ist die Schule auch darauf, für das Projekt „Schule: Kultur“, das vom Niedersächsischen Kultusministerium und dem Wissenschaftsministerium aufgelegt wurde, ausgewählt worden zu sein. Auch die Anerkennung als „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ sowie als „sportfreundliche Schule“ sind Markenzeichen der jüngsten Oldenburger IGS.
Der Standort im Stadtsüden bietet angehenden Fünftklässlern auch räumlich gute Bedingungen: Im Jahr 2015 hat die Schule für 8,5 Millionen Euro einen zweistöckigen Neubau erhalten, in dem neben der Mensa auch Sozial- und Freizeiträume, ein EDV-Raum, Lehrerarbeitsplätze und die Schulverwaltung Platz gefunden haben. Zudem wurde das Bestandsgebäude für zwei Millionen Euro modernisiert, weitere 1,2 Millionen Euro flossen in die Außenstelle Kneippstraße. Im Jahr 2019 soll die Schule für 4,7 Millionen Euro energetisch auf Vordermann gebracht werden – die Gesamtschulen sind der Stadt eben lieb und auch teuer.
