Oldenburg - Das Elend hat sie mitten ins Herz getroffen. Monika Ortmann, Professorin an der Universität Oldenburg, hatte in der vergangenen Woche die Möglichkeit, kurdische Flüchtlingslager im Nordirak zu besuchen. Was sie dort erlebt hat, lässt sie nicht mehr los: „Die Flüchtlinge dort haben es schlechter als bei uns die Tiere. Sie leben zwischen Müll und auf ausgedörrter Erde im Staub. Die Zustände sind unbeschreiblich. Keine medizinische Versorgung, katastrophale hygienische Zustände, Kloake und Müll rundherum. Das dürfen wir einfach nicht schweigend und untätig hinnehmen.“

Monika Ortmann steht schon seit mehreren Jahren in Kontakt mit dem Irak. Die Professorin ist Expertin für Pädagogik bei motorischen und körperlichen Beeinträchtigungen, und weil es in einem Land, das eine so lange Kriegszeit wie der Irak erlebt hat, einen hohen Anteil behinderter Menschen gibt, hat die spezielle Pädagogik dort einen besonderen Stellenwert.

Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern und unterstützt vom Deutschen Akademischen Austauschdienst hat Monika Ortmann einen neuen Studiengang für spezielle Erziehung und Inklusion an der staatlichen Universität in der kurdischen Stadt Dohuk im Nordirak aufgebaut. Nachdem im vergangenen Mai eine offizielle Kooperationsvereinbarung zwischen den Universitäten Dohuk und Oldenburg geschlossen worden war, wurden die organisatorischen Voraussetzungen geschaffen, so dass jetzt etwa 60 Studenten mit ihrer Ausbildung beginnen können.

Zur inhaltlichen Abstimmung der genauen Studieninhalte trafen sich jetzt Vertreter der Uni Dohuk mit Oldenburger Spezialisten im türkischen Ankara, weil die Bedrohung dort geringer als im Nordirak ist. Nach der Tagung ist Monika Ortmann dann mit ihren irakischen Partnern nach Dohuk gereist. „Ich wollte dort Solidarität zeigen und den Studierenden und Mitarbeitern deutlich machen, wie wichtig uns das Projekt ist.“

Der Besuch einer neunköpfigen Flüchtlingsfamilie, die in einem Zehn-Quadratmeter-Raum ohne Licht und fließendes Wasser lebt, ist ihr besonders nahe gegangen. Spontan kaufte sie anschließend auf einem Basar etwas Spielzeug und Süßigkeiten für die Kinder und steckte der Mutter Geld zu. Sie fragt aber auch: „Was ist das schon, angesichts des flächendeckenden Elends?“

Jürgen Westerhoff