Brake - Die Bildungspolitik als trojanisches Pferd: Diesen Vergleich zur griechischen Sage zog Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, jetzt bei seinem Vortrag zum Thema „Irrungen und Wirrungen aktueller niedersächsischer Schulpolitik“. Verdeutlichen wollte Kraus damit, dass die Versprechungen der Landesregierung zur Schulpolitik kritisch zu betrachten seien.

Er referierte im Haus Borgstede & Becker des Schiffahrtsmuseus, Breite Straße 9, vor rund 45 Gästen, darunter etliche Pädagogen. Organisiert hatte den Abend das Hermann-Ehlers-Bildungsforum Weser-Ems. Seine Sicht auf die aktuelle Schulpolitik Niedersachsens verdeutlichte Kraus an mehreren Punkten.

Schule funktioniere nicht ohne Leistung, lautete seine erste These. Punkt zwei: Schule sollte „nicht die Gleichheit, sondern Individualität unterstützen“. Er plädierte für Förderschulen und gegen die „Turbo-Inklusion“. In der anschließenden Diskussion brachte ihm dies die Zustimmung des Publikums ein.

Schule ohne Inhalte funktioniere nicht – sie müsse konkretes Wissen und Können vermitteln, forderte Kraus weiter. Er sprach sich dafür aus, Schule nicht nur durch messbare Werte zu analysieren. Pisa sei nicht das Maß aller Dinge, und die Bildungspolitik sollte sich von dieser Haltung verabschieden.

Einen Großteil der Zuhörerschaft bewegte die Frage, ob Schulpolitik eine Aufgabe der Bundesregierung und nicht länger Ländersache sein sollte. Kraus sprach sich gegen diese Forderung aus.