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Musikalische Bildung Freude am Singen hat Vorrang vor Perfektion

Ganderkesee - Mit „Am Brunnen vor dem Tore“ brauche man Kindern heute nicht mehr zu kommen, sagt Rita Wieneke, Leiterin der Grundschule Lange Straße. Doch mit der richtigen Liedauswahl sei es nicht schwer, sie fürs Singen zu begeistern. Und das gelinge auch denjenigen Kollegen, die nicht Musik studiert hätten – etwa im Englisch-, Deutsch- oder Religionsunterricht.

Experten hatten die Qualität der musikalischen Ausbildung von Pädagogen kritisiert. Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) monierte, Lehrer würden in der Ausbildung nicht aufs Singen vorbereitet, sofern sie nicht Musik studieren (die NWZ  berichtete).

Lehrer arbeiten sich ein

Letzteres treffe zwar zu, sagt Ulla Dunker, Leiterin der Grundschule Heide und selbst studierte Musikerin. Doch ihr sei lieber, Kollegen würden in einer vielleicht „nicht optimalen Tonart“ mit den Kindern singen als dass sie es gar nicht täten. „Wir nutzen jede Gelegenheit, um zu singen“, betont auch sie. Generell sei Musik ein Mangelfach. Aber viele fachfremde Kollegen hätten sich in die Materie eingearbeitet. Und wer kein In­strument spiele oder im Singen unsicher sei, behelfe sich mit CDs.

„Lehrer sind mit verschiedenen Medien bestens versorgt“, sagt auch Rita Wieneke. Sogar für das Lesen- und Schreibenlernen gebe es Anregungen in Liedform. Zudem würden sich Kollegen das nötige Fachwissen aneignen. „Das Singen gehört an der Grundschule wie das Atmen dazu“, ist die langjährige Rektorin überzeugt.

Wer sich fürs Grundschullehramt entscheide, entscheide sich auch fürs Singen, meint Frank von der Aa, Rektor der Grundschule Dürer-straße. An seiner Schule habe es einen hohen Stellenwert. Die Kinder würden in vielfältiger Hinsicht profitieren: Singen fördere etwa Disziplin, Kooperationsbereitschaft, Konzentrationsfähigkeit und Selbstbewusstsein. „Wir sehen viele positive Effekte bei Kindern mit emotional-sozialen Auffälligkeiten.“

Das gemeinsame Erleben steht auch für Rainer Müller, Leiter der Schule Habbrügger Weg, im Mittelpunkt. Allerdings löse bei den Schülern in der Sekundarstufe häufig das Musizieren, etwa mit Trommeln, das Singen ab. Wie die sechs Grundschulen der Gemeinde wird sich auch die Förderschule an der zweiten Auflage des Projekts „Junge Ganter singen“ am 2. Juli auf dem Campus des Schulzentrums am Steinacker beteiligen. 2012 hatte die Gemeinde in ihrer Aktionswoche „Junge Ganter“ erstmals einen mehr als 1200 Kinder starken Chor zusammengetrommelt.

Debatte schafft Hürden

Auch wenn sich die Schüler schon im Vorfeld intensiv mit dem Einstudieren der zehn Lieder für den Riesenchor beschäftigt sind – im Mittelpunkt steht der Spaß am Singen. Den rückt auch Edith Ohlenbusch, Leiterin der Bookholzberger Kindertagesstätte Sonneninsel, in den Fokus. Sie fürchtet, dass durch die Debatte um die Qualität der musikalischen Ausbildung der Pädagogen Hemmungen entstehen könnten, überhaupt mit den Kindern zu singen.

„Ich finde, Singen muss in erster Linie Freude machen. Wenn meine Mitarbeiter gerne singen, dann springt das auf die Kinder über“, sagt Edith Ohlenbusch. Und das Singen, häufig verknüpft mit Bewegung, sei enorm wichtig für die sprachliche Bildung kleiner Kinder. Daher sei das Singen „das tägliche Brot“ der Kita-Erzieherinnen.

Karoline Schulz
Karoline Schulz Redaktion Ganderkesee
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