FRIESLAND - Um Förder-, Haupt- und Realschülern frühzeitig praktische Berufsorientierung zu bieten, arbeiten die Schulen im Landkreis mit den Berufsschulen in Jever und Varel eng zusammen. 863 Achtklässler aus den allgemein bildenden Schulen besuchen in diesem Schuljahr regelmäßig die Berufsschulen, dazu kommen die Jugencdlichen der Inselschule Wangerooge, für die in der BBS Jever ein 14-tägiger Blockunterricht angeboten wird. „Damit liegen wir an der Spitze in ganz Niedersachsen“, betonte Heinz Martin, Leiter der „Region des Lernens“ in Friesland, im Kreis-Schulausschusses. In der jüngsten Sitzung informierte Martin gemeinsam mit Axel Uphoff, der die Berufsorientierungsangebote an der Berufsschule Jever koordiniert, über das Projekt.
Realistische Einschätzung
Ziel des Projekts ist es, den Schülern zu helfen, eine Berufswahl zu treffen, die auf einer realistischen Selbsteinschätzung sowie auf einer guten Kenntnis der eigenen Möglichkeiten und der Perspektiven des Arbeitsmarkts beruht. „Dazu ist ein kurzes Betriebspraktikum nicht ausreichend“, betonte Martin. Im Rahmen des Kooperationsprojektes mit der BBS hätten die Achtklässler die Gelegenheit, die Bereiche Bautechnik, Metalltechnik, Elektrotechnik, Körperpflege, Hauswirtschaft, Pflege und Wirtschaft kennenzulernen – wobei ein Großteil des berufspraktischen Unterrichts aufgrund der besseren räumlichen Möglichkeiten derzeit noch in der BBS Jever stattfinde. Derzeit umfasse das Programm 20 Unterrichtstage pro Halbjahr in der BBS Jever bzw. 13 Tage und fünf Tage Blockunterricht in der BBS Varel.
Entstanden ist das Projekt im Jeverland vor knapp zehn Jahren zunächst aus einer Kooperation der Hauptschule Jever und der BBS Jever. Ziel war damals, „Problemschülern“ bei der Berufsfindung zu helfen.
Im Südkreis liegen die Wurzeln des Projekts in einer Zusammenarbeit von Förderschulen, der „Agenda 21“ und der BBS Varel. Längst ist daraus eine „Berufsorientierung für alle“ geworden.
Inzwischen ist die praktische Berufsorientierung auch im Niedersächsischen Schulgesetz verankert – mit der Zielvorgabe, Hauptschülern 80 Tage und Realschülern 60 tage Berufsorientierung zu bieten.
Betriebspraktika
Martin und Uphoff zufolge könne diese Vorgabe auch über Betriebspraktika abgedeckt werden. Uphoff gab allerdings zu Bedenken, dass Praktikumsplätze in Betrieben aufgrund der großen Nachfrage aus allen Schulformen zunehmend schwer zu organisieren sind.
Bedenken äußerte auch Heiner von Reeken von der Haupt- und Realschule Obenstrohe: Bei aller Berufsorientierung dürfe die Allgemeinbildung im Lehrplan nicht zu kurz kommen. Schon jetzt beklagten sich Betriebe über mangelnde Mathe-, Deutsch- und Englischkenntnisse bei Schulabgängern. Aus Sicht von Frieslands Landrat Sven Ambrosy gibt es nur eine Möglichkeit, um diesen Konflikt aufzulösen: „Wir brauchen verpflichtende Ganztagsschulen“, so der Landrat.
