FRIESLAND - Die deutliche Kritik von Vertretern der Realschule Schortens und des Mariengymnasiums (MG) an den Gesamtschul-Plänen für Friesland hat eine neue Diskussionsrunde um das Schulprojekt eingeläutet.
Realschulleiterin Marion Gerdes-Ufken und MG-Leiterin Dorothe Levin hatten u. a. das Ganztagsangebot kritisiert und in Frage gestellt, dass die IGS eine gymnasiale Oberstufe erhält. Die Rede war von einer „Mogelpackung“ (die NWZ berichtete).
Diese Kritik weist die Kreisverwaltung Friesland zurück. Bisher habe der Landkreis zunächst eine Grundsatzentscheidung zur Einrichtung der IGS getroffen und befinde sich noch am Anfang der Planungen, betonte Kreis-Sprecher Rainer Graalfs. Er unterstrich, dass die Qualität der künftigen IGS mit dem Schulangebot der jetzigen IGS in Wilhelmshaven vergleichbar sein wird, die als Vorbild für die Schulgründung in Friesland gilt. Das Konzept schließt laut Graalfs auch ein Unterrichtsangebot am Nachmittag ein, ist aber auf Grund der gesetzlichen Vorgaben des Landes Niedersachsen zurzeit nicht umsetzbar. Zurzeit sei nur eine Genehmigung im Rahmen einer offenen Ganztagsschule ohne Ausstattung mit zusätzlichen Lehrerstunden möglich. Das heißt, dass das Nachmittagsangebot zunächst mit ehrenamtlicher Unterstützung – z. B. über Kooperationen mit Sportvereinen – auf die Beine gestellt werden muss.
Die Planungen sehen Graalfs zufolge in einem ersten Schritt den Aufbau einer IGS Friesland für die Jahrgänge 5 bis 10 vor. Der Landkreis Friesland habe gleichwohl bei einem positiven Elternvotum die Absicht, auch eine gymnasialen Oberstufe in der IGS anzubieten. Da die Schule von Klasse 5 „aufwächst“, werde die Oberstufe allerdings erst ab dem Jahr 2015 tatsächlich benötigt.
Als Grundlage für eine endgültige Entscheidung zum Standort und für die konkrete Antragstellung ist eine qualifizierte Elternbefragung der Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 1 bis 4 an allen friesländischen Grundschulen erforderlich. Wie berichtet, ist diese Elternbefragung von der Projektgruppe „IGS in Friesland“ vorbereitet worden. An dem Fragebogen haben Vertreter der Schulen, der Eltern, der Schüler, des Kreistags, der Städte und Gemeinden und der Landesschulbehörde mitgearbeitet.
Die Elternbefragung begann am Montag und läuft bis zum 5. September. In den Begleit-Informationen zur Elternbefragung werden laut Graalfs alle Fragen ausführlich beantwortet. Zudem bietet der Kreis Info-Abende zur IGS-Gründung an (siehe Info-Kasten).
Mehr Infos unter
Info-abende zur IGS Friesland
Wangerland:
Pausenhalle der Haupt- und Realschule Hohenkirchen, 1. September, 17 UhrJever:
Pausenhalle der Haupt- und Realschule Jever, 1. September, 20 UhrSchortens:
Pausenhalle der Hauptschule Schortens, 2. September, 17 UhrSande:
Pausenhalle der Haupt- und Realschule Sande, 2. September, 20 UhrZetel:
Pausenhalle der Haupt- und Realschule Zetel, 3. September, 17 UhrBockhorn:
Pausenhalle der Haupt- und Realschule Bockhorn, 3. September, 20 UhrVarel:
Aula der Haupt- und Realschule Varel, 4. September, 17 UhrDie Kritik ist richtig, der Adressat ist falsch: Wenn Vertreter der Realschule Schortens und des Mariengymnasiums bei den Gesamtschulplänen für Friesland fehlende Lehrerstunden und Ganztagsangebote bemängeln, dann müssten sie auch den Verursacher benennen. Nicht die IGS-Initiatoren aus dem Landkreis Friesland, sondern die IGS-feindliche Schulpolitik der CDU/FDP-Landesregierung sorgt dafür, dass das IGS-Projekt in vielerlei Hinsicht zunächst ein Provisorium sein wird. Die IGS muss wachsen, sich profilieren – und sich gegen viele politische Widerstände durchsetzen.
Bei den Regelschulen geht ganz offensichtlich die Angst um, Schüler an die neue IGS zu verlieren.
Doch statt Stimmung gegen die IGS-Pläne zu machen und Eltern zu verunsichern, sollten sich diese Schulen lieber überlegen, wie sie sich dem Wettbewerb stellen und ihre Stärken ausspielen können.
Eltern neigen dazu, für ihre Kinder nur das Beste zu wollen. Das gilt mit Sicherheit auch für die Schule.
