FRIESOYTHE - Nachhilfe für China in Sachen Duales Ausbildungssystem: Für zwei Wochen war Antonius Kanne, Lehrer für Fahrzeug- und Elektrotechnik an den Berufsbildenden Schulen Friesoythe, im Reich der Mitte. Seine Mission: „In China soll das deutsche Ausbildungssystem mit Theorieteil und Praxisteil umgesetzt werden, dabei sollen wir helfen“, erklärt der 47-Jährige. „Handlungsorientierten Unterricht gibt es dort bisher so gut wie gar nicht.“
Sein Ziel war die Tongling Polytechnic, eine Berufsschule in der Stadt Tongling. Das liegt in der Provinz Anhui im Südosten Chinas, etwa zwei Flugstunden südlich von Peking. Die Größe der BBS ist mit der in Friesoythe vergleichbar, die Stadt aber ist mit ihren gut 700 000 Einwohnern um ein vielfaches größer. „Überall herrschte emsiges Treiben, das war eine große Umstellung“, erzählt Kanne.
Unterrichten sollte er eine Klasse mit 28 Schülerinnen und Schülern, die 2008 ihre Ausbildung begonnen hatten. Der Ablauf war vergleichbar mit dem in Deutschland. Antonius Kanne betont: „Das ist der Sinn dieses Projekts, dass die Chinesen lernen, wie wir es machen, denn Praxisanteile gibt es dort bisher kaum.“ Lehrer aus der Gastschule begleiteten den Unterricht als Zuschauer.
Auf dem Plan standen zwei Lernfelder: Warten und Pflegen sowie Montieren und Demontieren von Bauteilen. Die Schüler mussten Räder wechseln, das Kühlsystem warten, sie lernten den Aufbau einer deutschen Kfz-Werkstatt kennen, schrieben Arbeitspläne, füllten Aufträge aus und zerlegten einen Motor.
Die Sprachhürde wurde per Dolmetscher überwunden. „Das klappte erstaunlich gut“, weiß Antonius Kanne zu berichten, „es gab dabei keine Probleme.“ Auch Anpassungsschwierigkeiten hatte der Lehrer nicht: „Die Schüler sind eigentlich so wie hier, es gab lediglich Unterschiede in der Arbeitsweise. Die Chinesen kannten zum Beispiel keine Gruppenarbeit.“ Das war aber kein Grund, das nicht auszuprobieren. Und die Schüler waren begeistert von ihrem Gastlehrer. „Wir haben sogar an einen Sonntag Unterricht gemacht und viele äußerten mir gegenüber, dass es schade sei, dass ich wieder fahre.“
Antonius Kanne wohnt in Scharrel und ist zusammen mit Klaus Bierschenk, Landesfachberater für Fahrzeugtechnik, nach China gefahren. Organisiert wurde der Austausch vom Chinesischen Zentrum in Hannover. Nur drei Schulen aus Niedersachsen beteiligen sich an diesem Projekt. Von der Friesoyther BBS war Frank Dellwisch schon zweimal in China, der nächste Besuch ist schon für diesen November geplant. „Das ist aber noch nicht ganz klar, auf jeden Fall geht es im nächsten April oder Mai nach Asien“, blickt Kanne voraus. „Es war eine tolle Erfahrung.“
