Friesoythe - Die gelbe Fassade der Friesoyther Elisabethschule ist so etwas wie das Markenzeichen und brachte der Förderschule schnell den Zusatz „gelber Tempel“ ein. Seit 1975 gibt es die, damals noch als Sonderschule bezeichnete, Einrichtung am Großen Kamp Ost. Das Gebäude selbst ist vielen bekannt, welch wertvolle Arbeit hinter den Mauern Tat für Tag geleistet wird eher nicht. Das soll sich aber ändern, kündigt Schulleiterin Ilona Stiefs im NWZ-Gespräch an.
Im Zuge großer Baumaßnahmen in den nächsten Jahren wird die gelbe Fassade verschwinden. Vielleicht ein Sinnbild für die stetige Veränderung im Förderschulbereich. Vielleicht ein Sinnbild für Aufbruch und mehr Transparenz. Wie berichtet, wird der Landkreis Cloppenburg als Schulträger viel Geld in die Hand nehmen. Für rund 14 Millionen Euro wird neben dem Bestandsgebäude ein komplett neuer, dreigeschossiger Neubau entstehen. Der Altbau wird zudem umgebaut und um einen Sportbereich mit Turnhalle und Gymnastikbereich erweitert.
Die Elisabethschule lädt alle ehemaligen Schüler/innen und Eltern sowie alle Interessierten, die sich mit der Schule verbunden fühlen, zu einem Tag der offenen Tür am Samstag, 8. September, ein. Der Tag beginnt um 10 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst in der St.-Marien-Kirche Friesoythe. Anschließend wird ein buntes Treiben auf dem Schulgelände bis 17 Uhr die Möglichkeit bieten, die Schule in vielfältiger Form kennenzulernen, in Erinnerungen zu schwelgen und sich über Zukunftsvisionen auszutauschen. Im Rahmen einer Projektwoche bereiten die Schülerinnen und Schüler sowie das Kollegium der Elisabethschule ab kommender Woche ein tolles Programm und Angebot für die Gäste vor.
„Bis alles fertig ist, wird es für uns alle bestimmt sehr anstrengend. Aber wir freuen uns schon riesig auf die neuen Räume“, sagt Stiefs. Ersten Planungen zufolge könnte der Neubau 2021 bezogen werden. Dann würde man mit dem Umbau des alten Gebäudeteils beginnen und diesen 2023 abschließen. Die Schule ist dann bestens gerüstet für die Zukunft.
Um die Elisabethschule einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen, wird am Samstag, 8. September, ein Tag der offenen Tür veranstaltet (siehe Info-Kasten). Anlass sind zwei kleine Jubiläen: Vor genau 20 Jahren wurde mit Sprachheilklassen begonnen. Vor zehn Jahren wurde der Bereich „Geistige Entwicklung“ eingeführt.
Als die Schule 1969 – damals noch an einem anderen Standort – ins Leben gerufen wurde, ging es zunächst nur um Kinder mit einer Lernbeeinträchtigung. Seit 1998/1999 besteht darüber hinaus der Förderbereich „Sprache“. Kinder, die zum Zeitpunkt der Einschulung gravierende Sprachstörungen aufweisen, benötigen eine besondere schulische Förderung. In den Sprachheilklassen wird nach den Rahmenrichtlinien der Grundschule unterrichtet. Nach dem 4. Schuljahr besuchen alle Schülerinnen und Schüler die weiterführenden Schulen. „Das ist ein gutes und bewährtes Prinzip“, sagt die Schulleiterin.
Im Schuljahr 2008/2009 wurden zusätzlich Schülerinnen und Schüler mit einem sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf im Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ aufgenommen. Nach Angaben der Schule umfasst der fest etablierte und stetig wachsende Bereich aktuell die Klassen 1 bis 12.
Derzeit werden 30 Schüler im Bereich „Lernen“, 76 im Bereich „Sprache“ und 88 im Bereich „Geistige Entwicklung“ unterrichtet. Dafür stehen 90 Mitarbeiter, von der Lehrkraft über Therapeuten bis zu Integrationshelfern, zur Verfügung.
Der Bereich „Lernen“ läuft in Friesoythe aber bald aus. Das ist vor allem Folge der Inklusion, bei der immer mehr lernschwache Grundschüler auf eine Regelschule gehen. „Inklusion ist ein toller Ansatz“, sagt Stiefs. Nur: „Die Rahmenbedingungen sind überhaupt nicht gut.“
Es werde zu wenig berücksichtigt, was das Kind für seine Entwicklung wirklich brauche, kritisiert sie fehlende Unterstützung durch das Land.
Auch wenn der Zweig „Lernen“ bald wegfallen wird, Sorgen um die Schülerzahlen macht sich Ilona Stiefs nicht. Im Gegenteil: „Die Anmeldungen nehmen stetig zu.“ Dieses Wachstum komme zum einen ganz automatisch, „das liegt aber auch an der guten Arbeit, die wir hier machen“.
