FRIESOYTHE - Rund fünf Kilogramm muss die sieben Jahre alte Evelyne Pflaun aus Friesoythe auf ihrem Rücken tragen. Dabei hat Evelyne noch Glück: Sie wird mit dem Auto zur Schule gebracht.
In ihren Schulranzen hat die siebenjährige am Dienstag eine Federmappe, drei kleine Hefte, zwei Hefter, fünf Bücher und eine Jacke gepackt. Hätte Evelyne auch noch ihr Frühstück dabei, wäre die Last noch schwerer. „Ich packe meine Tasche selbst“, sagt die Schülerin der Marienschule.
Lehrer in Verantwortung
Ihr Mitschüler Tom Tinnemeier hat es etwas leichter. Sein Ranzen wiegt rund vier Kilogramm. Die zusätzlichen Bücher und Hefte machen den Ranzen im Vergleich zum vergangenen Jahr „ein bisschen schwerer“, erzählt der Neunjährige. Die Betreuungslehrerin Marion Kaspers sieht die Lehrer in der Verantwortung: „Die Lehrer haben die Möglichkeit, den Schülern zu sagen, wann sie Lernmittel in der Schule lassen sollen“, sagt Kaspers. Am Ende des Halbjahres sollte auf jeden Fall aussortiert werden. Was nicht mehr gebraucht wird, muss raus. Trollis sind eine Alternative für etwas schwächere Kinder, sagt Kaspers. Die Schule hat auf das Problem zu schwerer Ranzen reagiert: In Regalen in den Klassen können nicht benötigte Lernmittel in Ordnern verstaut werden.
Richtiges Packen wichtig
Für die fünfte und sechste Klasse des Albertus-Magnus-Gymnasiums hat sich die Schule eine andere Regelung einfallen lassen: Den Schülern stehen etwa 270 Schließfächer zur Verfügung. Seit Schulbeginn haben 20 Schüler dieses Angebot genutzt. Weitere werden folgen. Drei Schüler der Klasse 5e gehören aber nicht dazu. „Ich habe kein Schließfach gemietet. Der Preis ist mir zu hoch. Außerdem muss ich dann immer aufpassen, dass ich keine Sachen vergesse oder den Schlüssel verliere“ sagt Lea Meemken. Sie hat sich stattdessen einen Trolli von ihrer Mutter gewünscht. „Der ist ganz praktisch“, erzählt die Fünftklässlerin. Nur die Treppe macht Mühe. Kein Wunder: Hat die Zehnjährige in einer oberen Etage Unterricht, muss sie ihren circa elf Kilogramm schweren Trolli die Treppe hoch tragen. Ganz schön viel Arbeit für ein kleines Mädchen. Das findet auch ihre Lehrerin Brigitte Fabian. Die Studiendirektorin und Leiterin der AMG-Aussenstelle kann das Problem zu schwerer Ranzen nachvollziehen. Die
Trollis seien aber nicht die optimalste Lösung. Besser sei Aufklärung, wie richtig gepackt wird. Die leistet das AMG gleich an den ersten Schultagen.
Schwere Fachbücher
Die Taschen der Schüler wiegen ungefähr ein Drittel ihres Körpergewichts. Aus Notwendigkeit: Die großen, schweren Fachbücher werden benötigt. Das kann ein weiterer Schüler der Klasse 5e, Timo Kruse, nur bestätigen. „Die Bücher werden alle sinnvoll genutzt“, sagt der Zehnjährige. Trotzdem wünschen sich die meisten Schüler, dass ihre Tasche leichter ist – damit der Weg zum Klassenraum über die Treppe nicht mehr so schwer wiegt.
