Friesoythe - Köln ist ihre wahre Heimat. Daraus macht Ulla Alscher, vormals Lindemann, keinen Hehl. Doch das auch zwei Herzen in einer Brust schlagen können, dafür ist die 63-Jährige der beste Beweis. Schließlich hat sie mit Friesoythe eine zweite Heimat gefunden. Sie ist eben „e Kölsch Mädche em huhe Norden“ (Ein Mädchen aus Köln im hohen Norden).
Rheinisches Naturell
Vor über 40 Jahren zog sie in den Nordkreis. Erst nach Sedelsberg, später dann nach Friesoythe. Ihre berufliche Heimat ist seit fast 30 Jahren das Katholische Bildungswerk Friesoythe und ist dort so etwas wie die „gute Seele“. Vor allem durch diese Tätigkeit – und durch ihr rheinisches Naturell – ist sie vielen Menschen bekannt. Das Kapitel Bildungswerk nimmt am Donnerstag aber sein vorläufiges Ende, denn die Friesoytherin geht Ende des Monats in Ruhestand.
Vor einigen Jahren sagte sie einmal, irgendwann wieder in ihre Geburtsstadt Köln ziehen zu wollen. Zumal ihre Mutter (88) dort lebt, sie dort viele Freunde hat, seit 42 Jahren noch keinen Kölner Karneval verpasst hat, Fan vom „Effzeh“ ist und sie schließlich vor zwei Jahren geheiratet hat – natürlich einen Kölner. Also naht mit der Verabschiedung am Donnerstag auch der Abschied von Friesoythe?
„Nein. Friesoythe ist mir so sehr ans Herz gewachsen. Ich fühle mich hier richtig wohl“, sagt sie. Und ihre beiden Söhne (36 und 37 Jahre alt) würden ja auch hier leben. „Ich dachte, es würde mir leichter fallen, Friesoythe den Rücken zu kehren, aber dem ist nicht so. Im Gegenteil. Je näher der Termin des Ruhestandes rückte, umso schwerer war es für mich.“ Also fand sie mit ihrem Mann einen Kompromiss. Eine Wohnung in Köln, eine Wohnung in Friesoythe.
Somit bleibt sie Friesoythe noch länger erhalten. Dem Bildungswerk übrigens auch. Sie wird sich weiterhin um die Organisation der Meisterkurse kümmern. Einer wird sich bestimmt ganz besonders über diese Entscheidung freuen. Er heißt Balal, ist 21 Jahre alt und syrischer Flüchtling. „Er ist ganz alleine hier. Ich kümmere mich um ihn“, sagt Alscher. Sie ist sehr stolz auf ihren „Pflegesohn“. Er hat sich sogar so gut entwickelt, dass er bald eine Ausbildung anfängt.
Das Flüchtlingsthema beschäftigt sie ohnehin. Nicht nur, dass sich das Bildungswerk intensiv vor allem um die sprachliche Förderung der Flüchtlinge kümmert. Auch privat engagiert sie sich. „Viele brauchen unsere Hilfe“, sagt sie.
Mehr Zeit
Dass nun ihre Zeit als Ruheständlerin beginnt, stört sie nicht. „Ich werde den großen Vorteil genießen, mehr Zeit zu haben“, so Ulla Alscher. Mehr Zeit für ihren Mann und ihre Kinder, mehr Zeit für ihre Mutter, mehr Zeit für ihre Freunde in Friesoythe und Köln, mehr Zeit für Reisen, mehr Zeit für soziales Engagement.
Mit etwas Wehmut schaut sich allerdings auf die schöne Zeit im Bildungswerk zurück. Auch wenn die Einrichtung ja nicht ganz verlässt, so ist es doch eine einschneidende Veränderung. Aber auch da schaut sie positiv in die Zukunft: „Das Bildungswerk hat schon immer hervorragende Arbeit geleistet. Das wird auch so bleiben, denn es gibt ein super Team. Die werden das schon machen.“
