Friesoythe - Als 18-Jähriger kam Belal Bajbouj aus dem Bürgerkriegsland Syrien nach Friesoythe. Sein Bruder und zwei Schwager wurden von einer Bombe getötet. Aus Angst haben Belals Eltern ihn dann auf die Reise geschickt. In Friesoythe bekam er eine dreijährige Aufenthaltsgenehmigung. Er wird vom katholischen Bildungswerk betreut. Dieses bietet seit Dezember 2015 Deutschkurse für Asylbewerber an. Und auch Belal nahm 2015 an einem dieser Kurse teil.

In Syrien hatte er nur fünf Jahre eine Schule besucht, konnte nur die arabische Schrift. Heute besucht Belal die Berufsbildenden Schulen, hat schon ein Praktikum im Tier- und Freizeitpark Thüle absolviert und eine Einstiegsqualifikation von einem Autohaus angeboten bekommen. Er spricht sehr gut Deutsch und wird ab dem 1. August eine Lehre bei der Firma Senger in Friesoythe beginnen. Belal sei ein Paradebeispiel, sagt Ulla Alscher, stellvertretende Leiterin des Bildungswerks Friesoythe. Und nicht nur dafür, wie gut die Arbeit des Bildungswerks mit seinen vielen Kooperationspartnern in Bezug auf Integration funktioniert.

Hauptschulabschluss-Kursus für Geflüchtete

Start ist am 22. Januar. Der Kursus findet montags bis freitags von 8.15 bis 13.15 Uhr (elf Monate) im Franziskushaus statt. Kooperationspartner sind die Kirchengemeinde St. Marien, der Seniorenbeirat Saterland und die Heinrich-von-Oytha-Oberschule.

Der Kursus gehört zum Programm zur „Förderung zusätzlicher Maßnahmen des zweiten Bildungswegs zum nachträglichen Erwerb des Haupt- und Realschulabschlusses für Geflüchtete für das Haushaltsjahr 2017“ aus dem Sonderfond „Lebenslanges Lernen.“ Gefördert wird er durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur im Auftrag der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung Hannover.

Jungen Flüchtlingen soll die Chance gegeben werden, durch den nachträglichen Erwerb des Abschlusses einen geeigneten Ausbildungsplatz zu finden. Die deutsche Sprache soll verbessert, Sozialkompetenzen sollen gefördert werden. Inhalte sind auch Grammatik, Mathe, Politik und Berufskunde. Das Bildungswerk bietet als Projektträger eine sozialpädagogische Begleitung für die Teilnehmer an.

Zur Berufsorientierung findet in den Sommerferien ein vierwöchiges Praktikum statt. Es gibt eine Zwischen- und eine mündliche und schriftliche Abschlussprüfung. Den Prüfungsvorsitz hat Rasmus Braun, Leiter der Oberschule.

Das Angebot richtet sich vorrangig an Geflüchtete, ist aber auch für Interessierte aus EU-Ländern offen. Anmeldung unter t  04491/9933011 (Ulla Alscher), t  04491/933016 (Birgit Walker).

Ascher ist Belals Patin, macht mit ihm die Hausaufgaben, hat ihm eine Wohnung besorgt, die er zusammen mit einem Mitflüchtling bewohnt. „Belal sagt immer, er hat mich gefunden“, sagt Ascher, die sich aber auch sicher ist, dass sein Weg ohne deutsche Hilfe und Beziehungen ein ganz anderer gewesen wäre.

Und angefangen hat alles eben mit diesen Deutschkursen des Bildungswerks – gefördert von der Bundesagentur für Arbeit. Ein positives Resümee zogen am Freitag Ulla Alscher, Geschäftsführerin Nicola Fuhler und die pädagogische Mitarbeiterin Birgit Walker.

Im gesamten Nordkreis werden die Kurse angeboten. Aus diesen entstanden 2016 in Kooperation mit dem Bildungswerk Cloppenburg Maßnahmen zur beruflichen Orientierung sowie Integrationskurse. Weitere Deutschkurse mit insgesamt 3100 Unterrichtsstunden wurden gefördert durch Mitteln des Landes Niedersachsen. Aus alledem entstand ein großes Netzwerk mit den beteiligten Organisationen (Caritas, DRK, Agentur für Arbeit, Jobcenter, Stadt Friesoythe, Kommunen, Kirchengemeinden).

Durch Praktika konnten viele Geflüchtete in eine Ausbildung, Einstiegsqualifikation oder in ein Arbeitsverhältnis gebracht werden. „Wir sind den Betrieben vor Ort sehr dankbar“, sagt Ulla Ascher. Und auch den Dozenten gelte ein großer Dank. „Sie haben über das Maß hinaus gearbeitet.“ „Und das Engagement ist bis heute da“, fügt Walker hinzu.

Schwierig sei es für die Flüchtlinge, mit Deutschen in Kontakt zu treten. So bietet das Bildungswerk Patenschaften in Schulen an. 40 Dozenten besuchen derzeit vormittags Schulen im Nordkreis und lehren Deutsch als Zweitsprache. Auch möchte das Bildungswerk gerne Schülerpaten qualifizieren. Schulen oder Personen, die Interesse an Patenschaften/einer Zusammenarbeit haben, können sich unter t  04491/933010 melden. Und das Bildungswerk ruht sich nicht aus: Für Geflüchtete startet am 22. Januar ein Kursus, in dem sie einen Hauptschulabschluss erlangen können (siehe Infobox). Es sind noch Plätze frei.

Tanja Mikulski
Tanja Mikulski Redaktion Münsterland