Friesoythe - Denken Sie jetzt einmal nicht an eine Zitrone. Na, woran denken Sie gerade? Schießen Ihnen gerade die Bilder der gelben Frucht in den Kopf? Fühlen Sie auf einmal den bitteren Geschmack einer ausgepressten Zitrone auf ihrer Zunge? Keine Angst. Sie verhalten sich völlig normal. „So funktioniert das Denken nicht. Wir denken immer in Bildern – und genau damit lernen wir auch am besten“, sagt Andreas Hensing vom Verein LVB Lernen (Berlin). Unter dem Titel „Das Lernen lernen“ zeigte er in einem interaktiven Vortrag am Dienstagabend rund 200 Eltern in der Friesoyther Realschule, wie lernen effektiv funktionieren kann.

Lernen kann jeder, dies machte Hensing gleich zu Anfang allen Eltern klar. „Bei Problemen liegt es nie am kognitiven Potenzial, sondern die Schüler lernen schlicht falsch“, sagt Hensing. Um richtig zu lernen, muss jeder versuchen, sein Gedächtnis richtig zu bedienen. „Das Gedächtnis ist der Schlüssel zum Erfolg. Dazu kommt simples Training“, so Hensing, der ganz plakativ den Eltern ihr eigenes Denkvermögen zu Anfang aufzeigte. „Halten Sie bitte mal Ihre beiden Fäuste aneinander. Das ist dann ungefähr die Größe ihres Gehirns“, sagt der Diplom-Pädagoge.

Emotionen spielen laut Hensing eine ganz wichtige Rolle, um dem Gedächtnis zu helfen. „Sobald ein Thema oder ein Begriff mit einem positiven Gefühl in Verbindung gebracht wird, ist es gespeichert. Das ist bei jeder Person so. So kann auch jemand, der von sich behauptet, kein Mathe zu können, Mathe beherrschen. Jeder kann Mathe lernen“, so Hensing. Doch dafür muss das Gedächtnis immer im Training bleiben. „Immer wiederkehrende Wiederholung helfen, dass Gelernte auch wirklich fest zu speichern.“

Ruhe und Entspannung nach dem Lernen untermauern den gehirneigenen Speicher, so der Lern-Coach. „Direkt nach dem Lernen sollten ihre Kinder nicht sofort vor der Playstation oder dem Computer landen. Die vielen Reize und emotionalen Eindrücke von Computerspielen oder TV-Konsum sorgen dafür, dass wir das gerade Gelernte nicht lange abspeichern können“, so Hensing.

Nur sieben Informationen gleichzeitig bleiben laut dem Lern-Coach im Ultrakurzzeitgedächtnis am Stück gespeichert. Werden es mehr, kann das sogar dazu führen, dass man sich weniger merken kann. Rund 20 Minuten dauere es, bis der Lernstoff sich ins Langzeitgedächtnis eingelagert habe. Um am besten Informationen zu speichern, sollte man sie kategorisieren und so in sprichwörtliche „Schubladen“ packen. Das testete Hensing auch in der Realschule – er bat die Eltern sich zahlreiche Begriffe zu merken. Einige bekamen diese wild durcheinander gewürfelt, die anderen klar strukturiert. Das Ergebnis kann man sich denken.

Ein Erlebnis werden – das ist laut Hensing ebenfalls enorm wichtig für erfolgreiches Lernen. „Je mehr Sinne ihres Kindes dabei angesprochen werden, desto besser. Visualisierungen bedienen Emotionen – die wiederum besser abgespeichert werden können“, sagt der Pädagoge. Als Beispiel nannte Hensing, Bilder von Texten oder Diktaten zu machen oder groß aufzuschreiben, damit sich die Buchstaben ins Gedächtnis brennen.

Nicht jedes Kind lernt trotzdem gleich – es gibt laut Hensing verschiedene Lerntypen, die jedes Kind in sich vereint – manche davon seien ausgeprägter als andere. „Es kommt nur darauf an, wie man lernt.“

Heiner Elsen
Heiner Elsen Redaktion Münsterland