FRIESOYTHE - FRIESOYTHE - „Es gibt keinen Abschied ohne Tränen.“ Auch nach zehn Jahren intensiver privater und schulischer Beziehungen nach Polen schwärmt Otto Stammermann (47) von der Gastfreundschaft seiner polnischen Freunde. Regelmäßige gegenseitige Besuche kräftigen die Beziehungen. Was als ein reines privates Urlaubserlebnis begann, soll am morgigen Freitag im Friesoyther Rathaus in eine offizielle Städtepartnerschaft münden. „Vater und Taufpate“ der ersten Städtepartnerschaft Friesoythes ist Otto Stammermann. Der Lehrer aus Markhausen unterrichtet an den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Friesoythe.

Es war 1994, als es Stammermann mit seiner Ehefrau Veronika Tholen während einer Urlaubswoche nach Polen zog. Dort fiel das CLP-Kennzeichen am Auto des Paares auf. Stammermann: „Uns stoppte ein Mann und fragte uns, ob wir auf der Rückreise seine Frau nach Löningen mitnehmen könnten.“ Das Eis war schnell geschmolzen. So begann eine enge Freundschaft in Polen.

Schnell erkannte Stammermann, dass seine Schüler an der Friesoyther BBS von seinen guten Kontakten nach Polen profitieren konnten. Denn im polnischen Swiebodzin gibt es eine Berufsbildende Schule mit ähnlichen Strukturen wie an der BBS in Friesoythe. Stammermann stieß jedoch zunächst auf Widerstand: „Der Direktor ließ auf meine Nachfrage hin ausrichten, es bestehe kein Interesse seiner Schule an einem Schüleraustausch.“ Doch so einfach ließ sich Otto Stammermann nicht zurückweisen: „Ich habe nicht locker gelassen und bekam schließlich einen Gesprächstermin beim Schulleiter und bei der Deutschlehrerin.“

Während der Unterhaltung konnte Stammermann seine polnischen Gegenüber überzeugen – und schon 1997 kamen die ersten polnischen Berufsschüler nach Friesoythe. Sie wohnten in den Familien von Lehrern und BBS-Schülern und erlebten den deutschen Schulalltag. Schon wenige Wochen später gab es ein Wiedersehen, als die erste Gruppe von Schülern der Friesoyther BBS in das polnische Swiebodzin reiste. Dort hatten die Lehrer ein interessantes Programm für die deutschen Gäste organisiert. Es reichte vom Besuch der Schule bis zu Besichtigungen von Industriebetrieben. Die Schüler aus Friesoythe erlebten Weltkriegs-Geschichte hautnah, als sie die 40 Meter tiefen und 200 Kilometer langen Bunkeranlagen besichtigen durften.

Doch zentraler Punkt der Schülerbegegnungen ist das Leben in den Familien. Seit 1997 profitieren davon die Schüler aus Swiebodzin und Friesoythe zu gleichen Teilen. Jeweils im Juni fahren 15 bis 20 Schüler der BBS Friesoythe nach Polen, der Gegenbesuch findet in der Regel im September oder Oktober statt. Otto Stammermann sieht die Entwicklung der freundschaftlichen Beziehungen mit großer Freude: „Ich hatte nicht erwartet, dass der Austausch über eine so lange Zeit so gut gut funktioniert.“

Dass die Beziehungen der Schule nach Swiebodzin nun auch in eine kommunale Städtepartnerschaft münden, freut Stammermann ganz besonders. Das liege aber auch daran, dass sich die polnische Schule sehr stark engagiere. Lehrer und Schüler haben inzwischen über den Schüleraustausch hinaus private Kontakte geknüpft, die zum Teil ebenfalls zu engen Freundschaften führten. Stammermann: „Da finden viele Treffen außerhalb des offiziellen Schüleraustausches statt.“

Im Laufe der Jahre wurden die Kontakte vertieft. Seit Jahren gibt es zudem Gespräche und gegenseitige Besuche von Kommunalpolitikern und anderen Interessierten aus Vereinen. Stammermann: „Das hat sich ganz langsam entwickelt. Inzwischen verfügt die Stadt Friesoythe über zahlreiche Kontakte nach Swiebodzin.“

Derweil pflegt Stammermann natürlich auch seine privaten Kontakte nach Polen weiter. Regelmäßig besuchen er und seine Frau die Freunde in Swiebodzin. Der BBS-Lehrer spricht inzwischen ganz gut die polnische Sprache. Dazu hat er einen Kurs an der Volkshochschule belegt: „Den Rest lernt man gut im täglichen Umgang mit den Menschen.“ An die Städtepartnerschaft zwischen Friesoythe und Swiebodzin knüpft Lehrer Otto Stammermann sehr hohe Erwartungen: „Ich habe die Hoffnung, dass noch viel mehr Friesoyther die Menschen aus Swiebodzin kennenlernen.“