Friesoythe - Die Grundschule Neuvrees wurde zum Ende des vergangenen Schuljahres geschlossen. Ist die Grundschule Hohefeld vielleicht die nächste sogenannte Zwergschule mit weniger als 50 Schülern, die keine Zukunft mehr hat? In einem aktuellen Gutachten wird der Stadt Friesoythe als Schulträger zumindest empfohlen, das Gebäude im Altenoyther Ortsteil aufzugeben.

Wie sieht die Schullandschaft in Friesoythe nicht nur im nächsten Jahr, sondern auch in zehn Jahren aus? Diese Frage sollte im Auftrag der Stadt Friesoythe die Beraterfirma Dr. Garbe & Lexis beantworten. Dabei ging es nicht nur um die reinen Schülerzahlen an den kommunalen Schulen, sondern auch um den künftigen Raumbedarf. Das Gutachten zur Schulentwicklung wurde am Mittwochabend in der Sitzung des Schulausschusses im Rathaus am Stadtpark vorgestellt.

In diesem Jahr wurden an den zehn Grundschulen der Stadt insgesamt 229 Kinder eingeschult. Im kommenden Schuljahr werden es wohl elf Schüler weniger sein, dafür steigt die Zahl der Erstklässler bis zum Jahr 2022 auf 261 an. In den Folgejahren pendeln sich die Einschulungszahlen bis 2027 auf 252 ein. Von dem viel beschworenen demografischen Wandel, bei dem die Zahl der Kinder bundesweit nach und nach zurückgeht, ist in der Stadt Friesoythe demnach nichts zu spüren.

Allerdings bedeuten die steigenden Zahlen, die Petra von Berlepsch den Ausschussmitgliedern präsentierte, nicht für alle Grundschulen positive Effekte. So gibt es an der Grundschule Hohefeld laut Gutachten in diesem Schuljahr 39 Schüler, in zehn Jahren werden es wohl fünf Schüler mehr sein, doch auch das reicht nicht, um jeden Jahrgang in einer eigenen Klasse zu unterrichten. Wie schon jetzt müssen Jahrgänge zu Kombiklassen zusammengelegt werden. In Hohefeld komme laut von Berlepsch erschwerend hinzu, dass das Gebäude an der Riege-Wolfstange für kleine Kinder nur bedingt geeignet und zudem stark sanierungsbedürftig sei.

Und auch bei der Grundschule Neuscharrel müsse man genau hinschauen. In diesem Jahr habe es dort nur vier Einschulungen gegeben. In den nächsten zehn Jahren werde die Zahl der Schüler von 26 auf 36 steigen, so dass es auch 2027 dort nur Kombiklassen geben würde.

In dem Gutachten wird die abschließende Empfehlung gegeben, die Organisation der Grundschulen zu überdenken. „Ich kenne keine Kommune, die so viele Schulen für diese Schülerzahlen hat“, sagte von Berlepsch mit Blick auf zehn stadteigene Grundschulen. Man müsse ja nicht von heute auf morgen handeln, „aber Sie sollten handeln“, appellierte sie an die Stadtverwaltung und die Ratsvertreter.

Diesen Ball nahm Bürgermeister Sven Stratmann auf: „Ab heute schauen wir in die Zukunft. Wir brauchen einen Fahrplan, und das Gutachten soll dabei der rote Faden sein.“ Man habe in der Vergangenheit die Augen verschlossen, nun müsse man Fakten schaffen, so der Bürgermeister. Gemeinsam mit dem Rat, den Schulen und Eltern müsse geschaut werden, wie es im Bereich der Grundschulen weitergehen könne.

Carsten Bickschlag
Carsten Bickschlag Redaktion Münsterland (Leitung Cloppenburg/Friesoythe)