FRIESOYTHE - Die Schüler der Klasse 7c der Realschule Friesoythe beteiligen sich am Projekt „60Jahre nach Kriegsende“. Ihre Großeltern wussten viel zu erzählen.
Von Carsten Bickschlag
FRIESOYTHE - „Alles war kaputt. Überall Schutt und Asche.“, „Was hatten wir den Kanadiern denn getan?“, „So ein Wahnsinn, nur drei Wochen vor Kriegsende.“, „Das werde ich nie vergessen.“ – Das ist nur ein kleiner Auszug der Aussagen, die die Schüler der 7c der Realschule Friesoythe gesammelt haben.Sie befragten im Rahmen des Schulprojektes „60 Jahre Kriegsende in Niedersachsen“ (siehe Info-Kasten) Zeitzeugen der letzten Tage des 2. Weltkrieges in der Hansestadt. Bei einer Straßenbefragung und zu Hause bei den Großeltern erkundigten sich die 14 Schüler nach den Geschehnissen und dem Erlebten in der Kriegszeit.
„Die meisten Leute waren sehr freundlich und haben uns eine Menge erzählt“, sagt der 13-jährige Thorsten Lammers. So erfuhren die Mädchen und Jungen, dass der damalige Pastor von Altenoythe durch beherztes Eingreifen die Kirche vor den Flammen gerettet hat, dass die Großeltern einer Schülerin von Soldaten eingesperrt wurden und eine andere Großmutter beschossen wurde, als sie ins Moor flüchtete.
Ida Ruf kommt gebürtig aus Kasachstan und erzählt, dass ihr Großvater im Krieg seine Eltern verloren hat. „Er war zu der Zeit nicht älter als ich, konnte sich aber noch sehr gut daran erinnern“, sagt das 13-jährige Mädchen.
„Ich finde es wichtig, dass wir so etwas erfahren“, sagt Mario Werner. Man könne sich sonst gar nicht vorstellen, wie schlimm es damals war, so der 13-jährige Schüler weiter. Klassenlehrer Michael Podkrajac pflichtet dem Jungen bei: „Wir wollen mit dieser Thematik das Interesse vor allem bei den Kindern und Jugendlichen wecken.“
Es wurden aber nicht nur Zeitzeugen befragt. Die Schulklasse beschäftigte sich auch mit drei schon verstorbenen Persönlichkeiten: dem kanadischen Oberstleutnant Frederick E. Wigle, dem Arzt Josef Niermann und dem Stadtschreiber Theodor Wreesmann.
„Wigle war ein hochdekorierter Offizier, der bei einem Häuserkampf in der Friesoyther Innenstadt am 14. April 1945 erschossen wurde. Unter den kanadischen Soldaten verbreitete sich das Gerücht, ihr Vorgesetzter sei Opfer eines feigen zivilen Heckenschützen geworden“, weiß Steffen Meyer zu berichten.
Am selben Tag kam Dr. Josef Niermann – der Namenspatron der Straße, an der die Realschule liegt – ums Leben. Er wurde von einem Granatsplitter tödlich getroffen. „Bevor der kanadische Sturmlauf auf Friesoythe begann, ließ Niermann das Krankenhaus im Stadtkern räumen und richtete in der alten Mehrenkamper Schule eine Behelfsklinik ein“, erfuhr Steffen Meyer aus den Geschichtsbüchern und aus Erzählungen.
Weiterhin erfuhr die Klasse, dass der ehemalige Stadtschreiber von Friesoythe, Theodor Wreesmann, die Zerstörung der Hansestadt schon kurz nach dem 1. Weltkrieg vorhergesehen habe. Der als „Vierfuß“ bekannte Friesoyther sei „schon ein wenig unheimlich“, so die einhellige Meinung der Schüler.
Neben zahlreichen Soldaten starben beim kanadischen Angriff auf das Stadtgebiet auch elf Zivilisten. Besonders betroffen machte die Schulklasse, dass unter den Opfern auch zwei Kinder waren. „Das fanden wir besonders traurig“, sagt Thorsten Lammers stellvertretend für die ganze Klasse.
„Insgesamt war die Projektarbeit eine lohnenswerte Investition“, so Klassenlehrer Michael Podkrajac. Es sei sehr wichtig, dass die Schüler Geschichte nicht nur aus den Fachbüchern erlernen, sondern auch einen persönlichen Bezug herstellen.
Alle Ergebnisse und Beiträge wurden von den Schülern der Klasse 7c zu einer Kollage verarbeitet. Diese wird ab Donnerstag, 8. April, im Kulturzentrum „Alte Wassermühle“ in Friesoythe und ab Donnerstag, 28. April, im Cloppenburger Kreishaus zu sehen sein.
