Friesoythe - Ab Montag werden rund 30 Friesoyther Realschüler wieder mit Spendendosen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge unterwegs sein. Sie werden für den Erhalt der Kriegsgräberstätten und die Suche nach weiteren Menschen, die auf den Schlachtfeldern der Weltkriege vermisst sind, sammeln. Und für Projekte, die Jugendliche auf der Welt zusammenführen. Denn dass die Deutsche Kriegsgräberfürsorge weit mehr ist als die Pflege von Kriegsgräber-Stätten – darauf legen Evelyne Reichert und Bernadette Ritter besonderen Wert. Gefördert hatte der Volksbund kürzlich eine Studienfahrt der Abschlussklasse 10a der Realschule Friesoythe ins Elsass.

Ziel der Fahrt war Niederbronn-les-Bains. Untergebracht waren die Schüler in der Albert-Schweitzer-Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte, in dem auch ein vielfältiges pädagogisches Programm angeboten wurde. In dem geschichtsträchtigen Ort erhielten die Friesoyther Schüler Einblicke in die wechselvolle deutsch-französische Geschichte und die Arbeit des Volksbundes. Die Kriegsgräberstätte mit mehr als 15 000 Opfern des Zweiten Weltkriegs entstand zwischen 1961 bis 1966 am Ortsrand. Dort war im Jahr 2009 zudem eine Dauerausstellung über ausgewählte Kriegsschicksale von gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkrieges eröffnet worden. Schicksale wie das eines Kriegsgefangenen, das eines Kindes aus der Hitlerjugend oder eines SS-Chargen lernten sie dort kennen. Auch die Pflege der Kriegsgräberstätte gehörte zum Programm für die Schüler.

Beeindruckt zeigten sich die Schüler von der Maginot-Linie: Diese steht auch sinnbildlich für die deutsch-französischen Spannungen von 1919 bis 1939. In Lembach beeindruckte die unterirdische Befestigungsanlage – Geschichte wurde hier erlebbar und fassbar.

Auch die Zitadelle von Bitche besichtigten sie und erfuhren, unter welchen Umständen die französischen Soldaten während des Blitzkrieges 1939/1940 gelebt haben. Eindruck hinterließ der Besuch der „lebendigen“ Zitadelle, in der Gerüche und Geräusche der damaligen Zeit präsent sind.

Das Konzentrationslager Struthof – das einzige auf westeuropäischem Boden außerhalb Deutschlands – wurde 1941 erbaut. Inhaftiert waren hier vor allem Widerstandskämpfer und politische Gegner. Die dargestellten Zeitzeugenaussagen machten die Folgen der nationalsozialistischen Ideologie anschaulich. Ergreifende Momente für die Friesoyther.

In Straßburg erlebten die Friesoyther den Gegenpol: das Europaparlament und die anderen europäischen Institutionen als Antwort auf den Nationalismus und die Fremdenfeindlichkeit.

Vergnügen und Abwechslung der auch emotional anstrengenden Reise bot der Besuch im Europapark Rust.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)