Moorriem - An den Beginn ihrer Arbeit als Grundschulleiterin in Moorriem stellte Ulrike Peine-Müller ein Zitat von Johann Wolfgang von Goethe: „Kinder brauchen Wurzeln und Flügel“. Und sie fügte diesem Zitat noch den Zusatz „und Grenzen“ an. Das liegt nun 25 Jahre zurück. Im August 1988 war ihr die Leitung der Grundschule – die damals noch Grundschule Eckfleth hieß – übertragen worden.
Dabei waren die Voraussetzungen alles andere als rosig, wie Ulrike Peine-Müller rückblickend berichtet. „Den neuen Dienstort fand ich so schrecklich, dass ich beschloss, hier nicht einen Tag länger als nötig zu bleiben“, erinnert sich die 61-Jährige.
Ulrike Peine-Müller hatte immer schon den Wunsch, in Richtung Kindererziehung zu arbeiten. „Eigentlich wollte ich Kindergärtnerin werden, ließ mich dann aber doch vom Pädagogikstudium überzeugen.“ Nach der Ausbildung an der Universität Oldenburg hatte sie ihre erste Stelle im Februar 1976 an der Grundschule Elsfleth angetreten. Zu Schuljahr 1978/79 war sie aufgrund rückläufiger Schülerzahlen nach Eckfleth versetzt worden. Ihr erster Eindruck dort war niederschmetternd.
Auf nach Kamerun
Ulrike Peine-Müller zog die Konsequenzen. Im Februar 1980 folgte sie ihrem Mann in den Entwicklungsdienst nach Kamerun. Dort arbeiteten sie beide in der kirchlichen Lehrerfort- und Lehrerausbildung. Nach der Geburt ihres Sohnes kehrte Ulrike Peine-Müller zu Beginn des Schuljahres 1982/83 an die Grundschule Eckfleth zurück.
Ihre Sichtweise hatte sich geändert. Sie wurde die direkte Nachfolgerin von Schulleiter Alfred Krummrei, der 1988 in den Ruhestand ging. „Ich wurde nicht Schulleiterin, weil ich unbedingt Schulleiterin werden wollte, sondern ich wurde von der Stelle sozusagen umgerannt und habe die Chance ergriffen“, so Peine-Müller. Sie hätte sich ihr Leben als Lehrerin sehr gut vorstellen können. „Ich habe aber sehr schnell erkannt, welche pädagogischen Gestaltungsmöglichkeiten sich einem als Schulleiterin eröffnen. Diese habe ich zielstrebig genutzt und nutze sie auch weiterhin.“
Bei der Umsetzung von Gestaltungsmöglichkeiten wusste die Leiterin immer ein engagiertes Kollegium an ihrer Seite. „Gemeinsam zogen wir an einem Strang, gemeinsam teilten wir Freud und Leid.“ Trotz ihrer mittlerweile langen Dienstzeit fährt sie nach wie vor jeden Morgen fröhlich in die Schule und freut sich darauf, was der Tag so bringt. „Die Arbeit mit den Kindern bereitet mir immer wieder Freude und hält mich jung. Ich unterrichte sehr gern. Der Beruf ist für mich Berufung. Das Wohl unserer Schülerinnen und Schüler steht für mich an erste Stelle. Für das Wohl der Kinder kämpfe ich.“
Die zahlreichen Herausforderung der Schulleitungsaufgaben, die sich im Laufe der vielen Jahre grundlegend geändert und sich um ein Vielfaches vermehrt haben, fordern die Schulleitung mal mehr mal weniger. Wer sich entscheidet, die Leitung einer kleinen Schule zu übernehmen, kann das heutzutage nur aus Idealismus tun, denn es „rechnet sich nicht.“
An einem Stang
Dass sie nun doch so lange in Moorriem geblieben sei, verdanke sie ihrem Team, „das immer mit ihr am selben Strang zieht, nie die Arbeit scheut und immer mit Spaß und Freude dabei ist.“
Sie verdankt es nach ihren Worten auch den Moorriemer Kindern, mit denen es ihr bis heute Freude bereite, sie zu unterrichten, weil man mit ihnen viel auf die Beine stellen könne, den Eltern, die zum Großteil auch ehemalige Schülerinnen und Schüler waren und mit Tatendrang immer präsent seien, sowie der Stadt Elsfleth, dem Schulträger, bei dem sie trotz knapper Kassen immer auf offene Ohren stieß. Dort habe sie nie gehört: „Das geht nicht“, sondern „Wir wollen mal gucken, was sich machen lässt!“
