Ramsloh/Hobart - Etwa 30 Stunden Flugzeit und zehn Stunden Zeitunterschied trennen Ada Lester derzeit von ihrer Familie in Hobart, der Hauptstadt von Tasmanien. Seit dem 5. September besucht die 15-Jährige im Rahmen des Austauschprogramms „American Field Service“ (AFS) das Laurentius-Siemer-Gymnasium (LSG) in Ramsloh. Hier möchte sie ihre Deutschkenntnisse verbessern. Sie lebt in einer Gastfamilie, bei den Kumas in Ramsloh, und nimmt als Gastschülerin am Unterricht in der 10a, deren Klassenlehrer Reinhard Walter ist, sowie am Deutschunterricht in einer fünften Klasse, teil.
Sechs Monate deutsch
Gelernt hat sie deutsch privat Zuhause. Seit sechs Monaten spricht sie die Sprache – und das nach so kurzer Zeit erstaunlich gut. „Deutsch ist eine schöne Sprache. Ich möchte gerne eine zweite Sprache richtig gut sprechen können“, sagt Ada Lester über ihre Intention, nach Deutschland zu kommen. In ihrer Schule könne man als Fremdsprache vom siebten bis zehnten Jahrgang nur Französisch oder Chinesisch lernen. Erst in der elften und zwölften Klasse können man auch Deutsch wählen.
Ada Lesters Schule, so Nicolas Kunzler, Lehrer am LSG und Ansprechpartner der Austauschschülerin, würde einer Gesamtschule gleichen. Fast 900 Schüler gebe es dort, die die siebte bis zehnte Klasse besuchen, sagt Ada Lester. Hobart habe etwa 210 000 Einwohner. Dort sei alles ganz anders als im Saterland. „Bei uns ist es sehr hügelig und wir haben mehr Platz. Meine Schule ist viel größer und liegt direkt am Strand“, sagt die 15-Jährige. „Im Sommer schwimmen wir im Sportunterricht im Meer. Auch haben wir ein Schulfach, das Exploring the Ocean heißt. Da schnorcheln wir zum Beispiel im Meer.“
Uniform tragen
Aber das sind nicht die einzigen Unterschiede bezogen auf den Schulalltag: „Wir tragen Uniformen. Es ist nicht so schön, dass ich auch im Winter einen Rock oder ein Kleid tragen muss“, erzählt Ada Lester. Darum sei sie froh, dass sie hier wärmere Kleidung anziehen könne. Der Unterricht starte in Hobart auch bereits um 8.30 Uhr. Schulschluss sei an jedem Werktag in der Woche um 14.45 Uhr.
Es sei schon „ein bisschen seltsam“, sich plötzlich am anderen Ende der Welt zu befinden, sagt Ada Lester – die Insel Tasmanien befindet sich im Indischen Ozean und gehört zu Australien –, aber sie fühle sich hier sehr wohl. Einmal in der Woche telefoniere sie über das Internet (Skype) mit ihren Eltern. „Ich vermisse meine Familie sehr, aber ich bin ja nur eine kurze Zeit hier“, sagt die 15-Jährige und lacht. Bis auf das Surfen könne sie in Ramsloh auch ihre Hobbys, Fußball- und Klavierspielen, ausüben. Überrascht sei sie vor allem davon gewesen, dass die Deutschen doch nicht so ernst sind, wie man in Tasmanien denke, sagt Ada Lester. Und auch Weihnachten hier gefalle ihr sehr gut – „viel besser als in Australien“. In ihrer Heimat werde nur am 25. Dezember gefeiert und in der Adventszeit nichts dekoriert. Auch der Winter eigne sich besser für Weihnachten. Denn ist Australien ist derzeit Sommer.
Viele Freunde gefunden
Toll sei auch, dass sie durch Treffen im Rahmen des Austauschprogramms mit anderen Schülern in der Region bereits viele Freunde aus der ganzen Welt gefunden habe. „Der Austausch ist wichtig“, sagt die 15-Jährige. So könnten Menschen anderes aus aller Welt und ihre Kulturen kennenlernen. Vorurteile könnten abgebaut werden.
Ein Abschlusstreffen wird es noch geben, bevor es am 23. Januar für Ada Lester wieder zurück nach Hobart geht – ans andere Ende der Welt.
