Wildeshausen/Neerstedt - „Es ist fünf vor zwölf“: Unter diesem Motto haben Lehrer des Beruflichen Gymnasiums an der BBS Wildeshausen sowie der Grundschule und der Förderschule in Neerstedt am Donnerstag gegen die Arbeitszeitverordnung des Landes Niedersachsen protestiert.
In Wildeshausen nutzten 40 Lehrer eine 20-minütige Pause, um sich draußen zu versammeln. Ein Lehrer hielt eine Uhr in der Hand, auf der es fünf vor zwölf war. Andere Kollegen hatten den Satz „Wer Wind sät, ...“ auf Papier mitgebracht und trugen ihn demonstrativ vor sich her. Schüler schauten ihnen dabei zu. Dass nicht alle 140 Lehrer protestierten, hing nach Aussagen der Personalratsvorsitzenden Claudia Petermann mit den drei Standorten zusammen, auf die die BBS in Wildeshausen verteilt ist und mit der kurzen Zeit, die zur Verfügung stand.
In Neerstedt hatten die Kollegen ein Transparent vorbereitet, auf dem stand: „Volle Pulle bis 67? 2 Stunden Arbeitszeitermäßigung“.
Die Pädagogen sind gegen die Pläne der Landesregierung, die Arbeitszeit der Lehrer an Gymnasien um eine Unterrichtsstunde auf 24,5 Stunden zu erhöhen. Das betrifft auch Lehrer an der BBS, die überwiegend am Beruflichen Gymnasium arbeiten. Ferner fordern die Lehrer die Landesregierung auf, die unbefristete Aussetzung der Altersermäßigung für alle Lehrkräfte zurückzunehmen.
Eigentlich sollten Lehrer ab dem 55. Lebensjahr eine Ermäßigung von einer Unterrichtsstunde erhalten, ab dem 60. Lebensjahr zwei Stunden. Das wäre der Ausgleich für bereits geleistete Mehrarbeit. Zehn Jahre lang haben Niedersachsens Lehrer unentgeltlich zwei Stunden pro Woche zusätzlich gearbeitet.
Wie Personalratsvorsitzende Claudia Petermann und der kommissarische Leiter des Beruflichen Gymnasiums, Hartmut Junker, betonten, erklären sich die BBS-Lehrer auch mit den Kollegen des Gymnasiums Wildeshausen solidarisch. „Die stehen derzeit öffentlich in keinem guten Licht, nachdem sie die Klassenfahrten gestrichen haben“, sagte Petermann. Doch auch ihr Protest sei berechtigt.
Sie machte deutlich, dass das Land in den vergangenen Jahren immer wieder bei den Lehrern gekürzt habe. „In allen rezessiven Phasen haben wir auf Lohn verzichtet – bis heute minus 20 Prozent im Vergleich zu 1998 Reallohnverlust.“ Petermann erinnerte auch daran, dass es seitens des Landes die schriftliche Zusage gegeben habe, die Altersermäßigung wieder auf den alten Stand zu bringen.
