Bockhorn - Es ist Kultur-AG an der Grundschule Bockhorn, Nagham hat ihre Mutter Scheima und ihre kleine Schwester Ramsia mit in die Grundschule gebracht. Und sie haben ein typisch syrisches Gericht auf Getreidebasis mitgebracht, dazu Falafel und Salat. Zusammen mit ihren Mitschülern aus der dritten und vierten Klasse der Grundschule macht sie es sich an einem großen Tisch bequem. „Wie heißt das Gericht auf Arabisch?“, fragt Ilka Hellmers-Abrahams, die an der Grundschule als Integrationshelferin arbeitet. Sie gibt sich Mühe dabei, das Wort nachzusprechen – bei der Kultur-AG soll immerhin jeder von jedem etwas lernen. Die jungen Teilnehmer legen hier ein Fundament für Freundschaften und Toleranz.
Dieses Mal sind Werner und Heidi Siegenthaler mit dabei, sie sind die Großeltern zweier Schüler und sind gerade aus der Schweiz zu Besuch. Werner Siegenthaler hat seine Handharmonika mitgebracht und spielt „Der alte Jäger vom Silbertannental“, Heidi Siegenthaler singt dazu, und die Kinder schunkeln und essen Falafel. Ein bisschen fremd fühlen sich die Schweizer schon in Bockhorn. „Wir vermissen die Berge und das klare Wasser“, sagt Werner Siegenthaler. Aber bei der Kultur-AG ist er gerne dabei.
„Wir machen hier einfach immer das, was uns Spaß macht“, sagt Tomke Donunelli. Sie ist Lehrerin an der Grundschule und zur Hälfte Holländerin. Tomke Donunelli hatte die Idee, eine Kultur-AG zu gründen. „Wir lernen uns hier alle kennen, spielerisch und in lockerer Atmosphäre“, sagt sie. „Die Kinder bringen oft etwas zu essen mit, wir hatten schon Apfelkuchen, Reisgerichte, Linsensuppe und alles mögliche“, sagt sie. „Und wir überlegen uns jedes Mal etwas Neues, wir spielen und basteln. Der Renner ist Stille Post in allen Sprachen. Da merkt nämlich jeder mal, wie es ist, wenn man Worte nicht versteht, weil die Sprache fremd ist.“
Zu den Mädchen, die längst mehr als nur eine Sprache sprechen, gehört die elfjährige Nagham aus Syrien. Sie lebt mit ihren Eltern und ihren beiden Geschwistern in Bockhorn. Seit 2014 ist sie in Deutschland, und Deutsch spricht sie längst fließend. „Vier Tage waren wir auf dem Meer. Drei Tage in einem Boot und einen Tag auf einem großen Schiff, das uns gerettet hat“, erzählt Nagham. „Wir dürfen jetzt erstmal drei Jahre hier bleiben, und dann sehen wir mal.“ Ihr gefalle es gut hier, und sie hat Pläne: „Ich will aufs Gymnasium gehen und lerne deshalb viel für die Schule. Ich hatte schon dreimal die beste Note in Mathe, eine eins. Mathe ist mein Lieblingsfach. Und ich bin jetzt auch Klassensprecherin der 4a.“
