Ganderkesee/Agona Swedru - Joséphine Jeske wollte schon mit 16 einen Freiwilligendienst im Ausland leisten, entschied sich dann aber dagegen. Wegen der Schule wäre nur ein kurzer Aufenthalt infrage gekommen. „Das bringt nichts, da richtet man mehr Schaden an, als dass man hilft“, sagt die 19-Jährige. „Das ist ja eine fremde Kultur, im ersten Monat muss einem selber ganz viel geholfen werden.“
Doch nach dem Abitur am Ganderkeseer Gymnasium erfüllte sich Joséphine ihren Wunsch. Sie bewarb sich beim Freiwilligendienst „Weltwärts“, der 2008 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ins Leben gerufen wurde, für mehrere Projekte in Westafrika und bekam eine Zusage für Agona Swedru. Zwillingsschwester Charlotte verbrachte parallel ein Jahr in Thailand.
Als Lehrerin arbeitete Joséphine an der Glovo Academy, die rund 200 Schüler besuchen. An der Privatschule unterrichtete sie hauptsächlich Französisch in der vierten, fünften und sechsten Klasse – kein Problem für die 19-Jährige, schließlich ist sie zweisprachig aufgewachsen. In ihrer fünften Klasse lehrte sie zudem Mathe und Sport.
Erschrocken sei sie darüber gewesen, wie oft einige ghanaische Lehrer die Schüler geschlagen hätten, bei einer falschen Antwort, zu buschigen Haaren oder auch, wenn die Eltern das Schulgeld nicht aufbringen konnten. „Ich habe mit den Lehrern darüber gesprochen und erzählt, was es in Deutschland für Strafen gibt, zum Teil hat das was geholfen, größtenteils aber nicht“, sagt Joséphine.
Die Ganderkeseerin hat 2400 Euro Eigenanteil für den Freiwilligendienst bezahlt. „Es handelt sich dabei um eine Spende, um die ,Weltwärts’ bittet“, erklärt sie. Nicht alle Freiwilligen hätten den Betrag bezahlt.
Duschen mit Tasse
Bedenken hatte Joséphine keine. „Ich war froh, endlich aus Deutschland rauszukommen. Ich hatte richtig große Vorfreude.“ Mit dem Lebensstandard in Ghana hatte sie keine Probleme. Ihre Gastfamilie gehörte zur Mittelschicht. Sie selbst hatte ein eigenes Zimmer und Strom. Fließend Wasser gab es nur manchmal. Das wurde dann in Tonnen und Kanister gefüllt. Geduscht wurde mit Wasser aus dem Kanister und einer Tasse. „Das spart viel Wasser und man wird genauso sauber“, findet Joséphine. Zu essen gab es ausreichend: „Meine Gastmutter wollte, dass ich dick werde“, erzählt Joséphine lachend. In den Ferien hatte sie Zeit, um mit den anderen Freiwilligen das Land zu erkunden.
Seit drei Wochen ist Joséphine Jeske nun zurück in Deutschland. „Das war wirklich das schönste Jahr meines Lebens, ich habe für mich viel gewonnen.“ Insbesondere die Atmosphäre habe ihr gefallen: Auf den Straßen sei immer etwas los, selbst die Straßen in der Bremer Innenstadt, wo ihre Mutter lebt, kämen ihr mittlerweile leise und leer vor.
Im Nachhinein sieht sie den Freiwilligendienst allerdings auch kritisch. „Die Freiwilligen haben gerade Abitur gemacht, haben noch keine Ausbildung und werden dann in ein fremdes Land geschickt“, sagt Joséphine. Dank ihrer guten Französisch-Kenntnisse konnte sie viel unterrichten, andere Freiwillige hätten deutlich weniger zu tun gehabt. „Das ist die Frage, ob das so viel Gutes bringt. Aber wir können ja auch nicht die Welt retten,“ so die Ganderkeseerin.
Gerne zurück
Dabei hat Joséphine einiges erreicht: Gemeinsam mit der Freiwilligen Pauline Engfer aus Kiel hat sie 8756 Euro Spenden für eine Solaranlage aufgetrieben. Die wurde vor einigen Wochen auf dem Dach des Waisenhauses auf dem Gelände der Privatschule installiert, das bis dahin keinen Stromanschluss hatte. Gefertigt wurde die Anlage von der Firma Meyer Technik in Ganderkesee (die NWZ berichtete).
Noch sind nicht alle Rechnungen eingetroffen, die Kosten belaufen sich aber wohl auf etwa 7000 Euro. Somit ist Geld übrig, das in Absprache mit den Spendern ebenfalls für einen guten Zweck genutzt werden soll.
Irgendwann möchte Joséphine zurück, um die Schule und ihre Gastfamilie zu besuchen. Aber jetzt ist erstmal ein bilinguales Jura-Studium in Potsdam und Paris geplant.
