Ganderkesee - Es sind längst nicht allein die Schulnoten, für die sich Kirsten Kanert interessiert, wenn sie eine Bewerbung um einen Ausbildungsplatz auf den Tisch bekommt. Auch das Schreiben selbst stellt ein Entscheidungskriterium dar. „Eine ordentliche Bewerbung drückt Wertschätzung gegenüber dem möglichen Arbeitgeber aus“, findet Kanert, die in der Ganderkeseer Tischlerei Sandkuhl für das Personal verantwortlich ist. Auch aufs Facebook-Profil werfe sie mitunter einen Blick.

Am Samstagvormittag stand Kirsten Kanert in der Tischlerei all jenen als Ansprechpartnerin zur Verfügung, die im Rahmen der Aktion „Tag des offenen Handwerks“ der Kreishandwerkerschaft vorbeischauten. Vier Jugendliche begrüßte sie im Laufe des Vormittags.

Eine Ausbildung im Tischlerhandwerk ist offenbar besonders attraktiv. Das jedenfalls leitet Hartmut Günnemann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land, aus den Zahlen ab, die ihm die 50 teilnehmenden Betriebe zurückgemeldet haben. Insgesamt habe man mit der Aktion diesmal rund 80 bis 90 Schüler erreicht. Dass es rund 40 weniger waren als im Vorjahr, führt Günnemann zum einen auf das schlechte Wetter am Aktionstag zurück, zum anderen darauf, dass am Vortag viele Schüler die Jobmesse in Oldenburg besucht hätten.

13 Betriebe haben laut Günemann keinen einzigen Interessenten begrüßen können. Auch seien nur wenige Jugendliche von Erziehungsberechtigten begleitet worden, die man mit der Aktion ja ebenfalls anspreche. „Viele mussten sich leider alleine auf den Weg machen“, stelllt Günemann fest.

Bei Sandkuhl legen Kirsten Kanert und ihre Kollegen großes Augenmerk auf die Motivation und den Ehrgeiz von Bewerbern. Diese müssen angehende Auszubildende zunächst in einem Praktikum und einem Test unter Beweis stellen, bevor sie einen Vertrag erhalten. Etwas mehr als 40 Bewerbungen hat der Betrieb in diesem Jahr erhalten. „Davon kamen acht in die engere Wahl“ so Kanert. Zwei Stellen standen zur Verfügung und wurden besetzt.

Auch Bewerber mit Hauptschulabschluss haben laut Kanert gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz, sofern sie im Praktikum überzeugen. Wenn auch danach alles passt, müssen sich Azubis um eine Weiterbeschäftigung als Gesellen keine Sorgen machen. „Unser Ziel ist, ehemalige Auszubildende zu halten“, betont Kirsten Kanert.

Karoline Schulz
Karoline Schulz Redaktion Ganderkesee