Ganderkesee - Als Maschinen- und Anlagenbauer vor allem für die Windkraft-Industrie ist die Firma Hawart weltweit im Geschäft, die Produktion ist hoch spezialisiert, die Mitarbeiter sind qualifiziert und motiviert – und doch hat das Ganderkeseer Unternehmen das gleiche Problem wie so viele Industrie- und Handwerksbetriebe in der Region: „Wir bekommen immer weniger Bewerbungen auf einen Ausbildungsplatz“, gibt Reinhard Bonke zu, einer von drei Geschäftsführern.
Dabei sind die Anforderungen gar nicht hoch: Ein gutes Hauptschulzeugnis und der Wille, beruflich etwas zu lernen, genügen als Voraussetzung schon. Nur – und das stellt die Hawart-Geschäftsführung genauso fest wie die Vertreter der Ganderkeseer Ausbildungsinitiative Zwaig, die am Montag bei Hawart zu Gast sind: Junge Leute, die sich für die Berufsrichtung Metallbau interessieren, legen sich allzu oft auf das Kfz-Handwerk fest.
Deshalb hat man sich bei Hawart entschlossen, offensiver um Nachwuchs zu werben – unter anderem über Zwaig, die Zukunfts-Werkstatt Ausbildungsplatz-Initiative Ganderkesee/Delmenhorst/Oldenburg-Land. Die hatte auch gleich drei potenzielle Auszubildende mitgebracht: Niclas, Leon und Daniel besuchen die 9. Klasse des Förderzentrums Ganderkesee, nach dem Förderschulabschluss wollen sie in der 10. Klasse, die im Förderzentrum stark praxisorientiert ist, den Hauptschulabschluss schaffen.
Kein Makel
Damit wären sie bei Hawart sehr willkommen: Der Hauptschulabschluss werde heute oft als Makel betrachtet, dabei sei er, wenn er gut ist, „absolut in Ordnung“, betont Christian Schauer, der selbst nach der Hauptschule eine Metallbauer-Lehre absolvierte, danach zehn Jahre als Monteur durch die Welt reiste, noch vor dem 30. Geburtstag die Meisterprüfung ablegte und jetzt Betriebsleiter bei Hawart ist. Seine persönliche Geschichte erzählt er den Jugendlichen bewusst mit dem Appell: „Konzentriert Euch auf das, was Ihr könnt, und macht das zu Eurer Erfolgsgeschichte.“
Die dreieinhalbjährige Ausbildung bei Hawart sei breitgefächert und vielseitig, betonen Schauer und Bonke. „Der Metallbauer ist bei uns Sondermaschinenbauer.“ Immer neue Prototypen entwickeln die Ganderkeseer, die auch eine eigene Konstruktionsabteilung haben. Die Massenproduktion findet anderswo statt, in Asien überwiegend, während man sich bei Hawart schon auf die nächste komplexe Herausforderung konzentriert. Bei den teils 60, 70 Meter großen Anlagen, mit denen zum Beispiel Rotorblätter für Windenergieanlagen hergestellt werden, kommt es auf millimetergenaue Feinarbeit an.
In aller Welt
In vielen Fällen sind die gut 50 Hawart-Mitarbeiter auch für die Montage vor Ort zuständig. Das heißt: Sie sind weltweit unterwegs. Das gelte für die Auszubildenden in der Regel zwar noch nicht, schränkt Reinhard Bonke ein, aber später haben sie alle Chancen. In den vergangenen Jahren seien bei Hawart alle Nachwuchskräfte übernommen worden. „Dann haben sie die Möglichkeit, weltweit die neuesten Technologien kennenzulernen“, so Bonke. „Ganz nebenbei lernen sie auch noch Englisch.“
„Eine gute handwerkliche Ausbildung“, glaubt der Hawart-Geschäftsführer, „wird in einigen Jahren sehr wertvoll sein.“ Und der Verdienst werde dem eines studierten Ingenieurs nicht nachstehen. Vorher allerdings gelte durchaus der alte Satz: „Lehrjahre sind keine Herrenjahre!“
