GANDERKESEE - „Die Idee, die dahinter steckt ist, dass die Schüler ein Medium, das sie eh nutzen, sinnvoll nutzen.“ Unter „sinnvoll“ versteht Marian Münch etwa, dass die Schüler seines Englisch-Leistungskurses sich gegenseitig anregen, ihre Texte lesen und gegebenenfalls kommentieren. Vor allem aber ist dem 31-Jährigen wichtig, dass die Schüler selber entscheiden müssen, wann sie welche Aufgaben erledigen – kurz, dass sie selbstständig arbeiten. Schließlich können die Zwölftklässler nun von überall auf ihre Themen zugreifen. Derzeit steht das Buch „Heat and Dust“ von Ruth Prawer Jhabvala auf dem Stundenplan.
Seit Februar arbeitet der Englischlehrer mit der 12. Jahrgangsstufe des Gymnasiums Ganderkesee verstärkt online. Was auch für ihn als Lehrer Vorteile mit sich bringe, meint Münch: „Ich kann von zu Hause aus jederzeit auf die Hausaufgaben zugreifen, kann auch bei Krankheit oder auf Fortbildung Aufgaben stellen, und ich merke auch viel schneller, ob Beiträge kopiert sind.“ Ein großer Vorteil sei auch, dass man die Entwicklung gut beobachten könne: „Viele Schüler schreiben jetzt ganz anders, weil jeder Mitschüler draufschauen kann, nicht nur der Lehrer. Das regt zu konzentrierterem Arbeiten an.“
Besonders profitieren würden, so Münch, von dem Medium Blog vor allem die ruhigeren Schüler. „Durch die Arbeit mit dem Blog entwickeln die Schüler auch ein Gespür dafür, welche der gestellten Aufgaben anspruchsvoller sind“, zählt der Englischlehrer einen weiteren Vorteil auf.
Auch Friederike Thielhelm und Kerstin Hülsen sind von der neuen Methode, die die herkömmlichen nicht ersetzt, sondern ergänzt, ganz angetan. „Man kann sich super Ideen holen“, meinen beide. Und sie bestätigen, was auch ihr Lehrer bemerkt hat: „Man passt viel mehr auf, was man schreibt, weil die anderen ja alles lesen können.“
Nächster Schritt ist das Öffnen des bisher nur innerhalb des Kurses genutzten Weblogs – und der Blick über die eigenen Grenzen. „Die Schüler haben gerade andere Blogs entdeckt.“ Womit sich ein weiterer Vorteil offenbare, meint Münch. „Jetzt gucken wir, was andere so zu dem Thema gemacht haben und vergleichen das mal mit unseren Arbeiten.“
Mittlerweile hätten auch andere Kollegen ihr Interesse an der Methode kundgetan, sagt Münch. Der Englisch- und Geschichtslehrer hatte die Idee von einer Fortbildung des Uni-Dozenten und Lehrers Rainhard Donath mitgebracht, der sich seit Jahren mit dem Thema Fremdsprachenlernen und Internet beschäftigt.
