GANDERKESEE - Von Begeisterung kaum eine Spur: Die aktuelle Schulreform stößt bei den Ratsfraktionen in Ganderkesee mehrheitlich auf Skepsis. In dem von der Landesregierung befürworteten Konzept sollen ab dem Schuljahr 2011/2012 Haupt-, Real- und Kooperative Gesamtschule (KGS) in einer neuen Oberschule aufgehen.
„Es hat den Anschein, als solle damit nur die Integrierte Gesamtschule (IGS) verhindert werden“, vermutet SPD-Fraktionsvorsitzender Werner Brakmann. Für Bookholzberg räumt er zwar ein, dass dort eine Oberschule im Vergleich zu der für 2011 beschlossenen Fusion von Haupt- und Realschule die bessere Idee sein könnte. Dennoch: „Eine IGS würde unsere Fraktion bevorzugen, weil die Durchlässigkeit der Schüler hoch wäre und jeder seinen bestmöglichen Schulabschluss machen könnte“, so Brakmann.
Als „verkappte KGS“ bezeichnet Freie Wähler/UWG-Fraktionsvorsitzender Otto Sackmann das neue Schulkonzept: „Davon halte ich nichts.“ Für Bookholzberg bevorzuge er deshalb die – ohnehin vorgesehene – Fusion von Haupt- und Realschule. Der Grund: Eine Oberschule in Bookholzberg könnte auch einen Gymnasial-Zweig aufweisen. Dadurch befürchte Sackmann Nachteile für das Gymnasium Ganderkesee.
In dieselbe Kerbe schlägt FDP-Fraktionsvorsitzende Marion Daniel: „Durch das Gymnasium müssen wir das Thema differenzierter betrachten.“ Auch der demografische Wandel müsse in die Schulpläne mit einbezogen werden: „Es können ja nicht immer mehr Schulen mit immer weniger Schülern entstehen“, so Daniel.
Ein Plädoyer für die IGS hält Grüne-Fraktionsvorsitzender Michael Sorg. Derzeit könne er sich kein anderes Modell für die Integration und individuelle Förderung der Schüler vorstellen. „Der Gemeindeelternrat hat eine IGS befürwortet. Man sollte den Mut aufbringen, das zu tun, was die Eltern wollen“, fordert er.
„Sehr positiv“ äußert sich hingegen CDU-Fraktionsvorsitzender Dietmar Mietrach über die neuen Pläne: „Mit der IGS waren wir ja in einer Sackgasse gelandet“, meint er. Sowohl das Konzept der Oberschule überzeuge ihn, als auch die Entscheidungshoheit seitens der Gemeinde: „Der Nachteil einer IGS ist ja, dass über sie auf Kreistagsebene und in Hannover entschieden wird.“ Eine Gefahr für das Gymnasium Ganderkesee sehe er in einer Oberschule in Bookholzberg nicht. Stattdessen halte er es für denkbar, dass beide Schulen bestehen könnten, weil durch die Durchlässigkeit an der Oberschule noch mehr Schüler ihr Abitur anstreben würden. Mietrach fordert deshalb eine schnelle Entscheidung zugunsten der Oberschule: „Natürlich unter der Voraussetzung,, dass dadurch keine Lehrerstunden wegfallen.“
