Ganderkesee/Bookholzberg - Darf ich ein Buch für den Unterricht kopieren? Wo kommt der Datenschutz bei Klassenbüchern ins Spiel? Wie hart dürfen Schüler diszipliniert werden? Um derartige Fragen ging es bei einem Vortrag des Juristen Dr. Günther Hoegg am Mittwoch vor Mitgliedern des Ganderkeseer Schulverbunds in der Mensa am Steinacker. Die Leiter der Oberschulen in Ganderkesee und Bookholzberg, Ingo Voss und Jan-Michael Braun, zogen ein positives Fazit der Veranstaltung.
Bestätigung für Kollegen
„Es war in vielen Teilen eine Bestätigung von dem, was wir jetzt schon machen“, sagte Braun. Was ihm und den anderen Ganderkeseer Kollegen gefiel, war dass Hoegg selbst lange Lehrer war. „Das ist einer, der weiß wie das ist. Dem kann man stundenlang zuhören.“
Thematisch war der Fachtag ein Rundumschlag, der von Datenschutz, Cybermobbing und Disziplinkonflikten bis zu strafrechtlichen Maßnahmen reichte. Nicht alles davon sind alltägliche Probleme an den Oberschulen: „Gewalt gegen Lehrer habe ich, seit ich in Ganderkesee bin, noch nicht erlebt“, erklärte Voss. Auch in seinen vorigen Jahren als Lehrer habe er erlebt, dass es da eine „natürliche Grenze“ für Schüler gebe, die nicht überschritten wird.
Dass Schüler aufgrund ihres Verhaltens den Klassenraum verlassen müssen, war dagegen eine bekannte Erfahrung. „Bei uns gibt es einen Auszeitraum“, sagte Braun. Dort müssen Schüler auch einen Reflexionsbögen ausfüllen, der das Geschehen dokumentiert. Das sei schon ein Schritt weiter als das „vor die Tür schicken“, das von Dr. Hoegg angesprochen wurde.
Austausch ist wichtig
Trotzdem nahmen die Ganderkeseer Lehrer viel aus der Veranstaltung mit – auch, weil sich der gesamte Schulverbund vor Ort traf. „Gerade zum Anfang des Schuljahres ist der Austausch zwischen den Schulen wichtig“, sagte Ingo Voss. Vor allem für die Oberschulen, die Grundschuljahrgänge übernehmen. Braun: „Da profitieren wir von der Erfahrung der Kollegen.“
Positiv bewerteten die Lehrer, dass es viele praktische Beispiele während des Vortrags gab. „Ein trockenes und ernstes Thema sehr kurzweilig vermittelt“, fasste Anke Brunken-Krey, kommissarische Schulleiterin der Grundschule Dürerstraße, die Rückmeldungen ihres Kollegiums zusammen. Unklarheiten seien beseitigt und Kollegen in ihrem Handeln bestätigt worden. „Das Handwerkszeug in so geballter Form vermittelt wurde, ist sehr wertvoll für uns“, bewertete auch Voss.
Nicht fehlen durfte das Thema Soziale Medien. Für Lehrer ist es wichtig zu wissen, welche Handhabe sie haben, wenn Schüler unerlaubt Inhalte teilen. „Statt einer Strafanzeige können wir einen Strafantrag stellen“, erklärte Voss. Diesem müsse rechtlich zwingend nachgegangen werden, was für Betroffene schnell unangenehm werden kann, da Gerichte mittlerweile auch bewerten, ob jemand durch Werbeeinnahmen bei einem geteilten Video Gewinn gemacht habe. „Das kann am Ende richtig teuer werden.“
Neue Idee mitgenommen
Generell unterstellten Braun und Voss ihren Schülern aber eine gute Medienkompetenz, wenn es ums Internet geht. „Geräte können die Kinder besser bedienen als wir“, so Voss, „nur das Bewusstsein, was genau da angeklickt oder hochgeladen wird, fehlt manchmal noch.“
Als eine neue Idee nahm der Schulverbund am Mittwoch das elektronische Klassenbuch mit, welches Daten zentral speichert. „Da müssen wir uns mal bei anderen Schulen schlau machen, die das schon umgesetzt haben“, sagte Braun. Reizvoll an der Idee sei, dass nicht nur Papier gespart werde, sondern Notizen auch besser ausgewertet werden können.
Der Ganderkeseer Schulverbund will in Zukunft gerne weitere gemeinsame Veranstaltungen organisieren. Braun: „Eine Vision ist, mal einen Elternabend über Soziale Medien zu machen.“
