GANDERKESEE/BOOKHOLZBERG/HEIDE - Die Qualität der Schulen zu verbessern – das war das Ziel des niedersächsischen Konzepts „Eigenverantwortliche Schule“, das am 1. August 2007 in Kraft getreten ist. Den Schulen obliegen Planung, Durchführung und Auswertung des Unterrichts, die Erziehung und Verwaltung. Dafür bewirtschaften sie ein eigenes Budget und tragen Personalverantwortung. Die Schulleiter in der Gemeinde ziehen eine gemischte Bilanz. Einen gemeinsamen Nenner finden sie dennoch: Das Konzept bringe deutlich mehr Aufwand mit sich.
Ursula Dunker, Schulleiterin der Grundschule Heide, findet den Ansatz gut. „Der Vorteil liegt auf der Hand: Wir haben mehr Eigenverantwortung. Das wollen wir ja auch. Jede Schule will ein Profil haben“, meint sie. Schön sei es zum Beispiel, bei der Planung der Unterrichtsstunden flexibler agieren zu können.
„Wie gelähmt“
Das Profil der Schule hätte sich allerdings schon vor der Einführung des Konzepts entwickelt. Die neue Eigenverantwortung habe den Weg dahin lediglich unterstützt.
Seit der Einführung der Eigenverantwortlichkeit kämpfen insbesondere die Schulleiter mit einem entscheidenden Nachteil. „Der Verwaltungsaufwand ist sehr viel größer geworden“, bemängelt Ursula Dunker. „Wir haben gar nicht die Kapazitäten dafür.“ Trotz Fortbildungen durch das Land Niedersachsen habe sie sich in viele Bereiche erst einarbeiten müssen, etwa den Bereich Qualitätsmanagement. Durch den bürokratischen Mehraufwand hat sich zwangsläufig auch das Berufsbild verändert. „Ich unterrichte gerne, aber das Verhältnis stimmt nicht, es ist eine Gratwanderung“, urteilt Ursula Dunker. Die Schulen müssten aufpassen, dass sie die pädagogische Seite nicht aus den Augen verlieren.
Dieter Beckmann, Schulleiter der Realschule Bookholzberg, findet drastischere Worte. „Vorteile sehe ich noch nicht“, meint er. „Die Freiheit, die ich jetzt habe, hatte ich vorher schon.“ Durch die zusätzliche Verwaltungsarbeit fühle er sich in seiner pädagogischen Arbeit „wie gelähmt“. Viele Dinge, die durch die neue Eigenverantwortung einfacher und schneller werden sollten, seien es de facto nicht. Beckmann nennt als Beispiel die Einstellung von Feuerwehrkräften. Tatsächlich koste die formelle Antragstellung viel Zeit und sei ein immenser Aufwand.
Viele Chancen
Dörte Lohrenz, Schulleiterin der Grundschule Bookholzberg, vergibt dem Schulkonzept vom Ansatz her eine gute Note. Vorteile sieht sie in der freien Unterrichtsgestaltung. Und in der Pflicht, nach außen hin Rechenschaft ablegen zu müssen. Gerade das steigere die Qualität. „Aber es fehlen Ressourcen. An allen Ecken und Enden. Man stößt an seine Grenzen“, lautet auch ihr Resümee. Ein Gelingen hänge vom Engagement Einzelner ab. „Das Konzept wurde nicht zu Ende gedacht. Ich würde mir eine bessere Strukturierung wünschen.“
Als „großer Anhänger“ des Schulkonzepts bezeichnet sich Joachim Hüneberg, Leiter der Haupt- und Realschule Ganderkesee. „Es bietet große Chancen, die Schulentwicklung voranzutreiben. Wir haben einen ungeheuren Sprung nach vorne gemacht.“ Für ihn überwiegen ganz klar die Vorteile. Etwa der, dass sich die Schule selbst das Personal aussuchen darf.
